15 + 1 Fragen an Oliver Uschmann, Sylvia Witt und die Katzen

Bitte stell dich kurz vor.

Oliver Uschman - Katze

Ich bin Tenhi, der weiße Kater aus dem Haus der Künste in Herbern. Meine Mitbewohnerin heißt Gobi und unsere Menschen sind Sylvia Witt und Oliver Uschmann. Sie arbeiten den ganzen Tag am Computer, um die “Hui-Welt” zu erschaffen, die Bücher und Internetwelten über “Hartmut und ich“. Außerdem fährt Oliver häufig mit dem Auto weg, um aufzutreten, Seminare an der Uni zu geben oder Menschen für Magazine zu befragen, die Visions, Galore und Gee heißen. Wenn er zu Hause ist, hat er auch viel zu tun, vor allem im Garten. “Die Homestory soll der Kater machen”, hat er gesagt, “der tut ja sonst nichts.” Also mache ich sie und Gobi macht die Fotos aus unserer Sicht.

Oliver Uschmann - Katze

Wie groß ist deine Wohnung und wie viele Leute leben dort?

Das Miethaus ist 240 Quadratmeter groß. Unsere Menschen haben den Keller ausgebaut. Vier Personen natürlich, zwei mit zwei und zwei mit vier Beinen. Es ist wunderbar. Im Treppenhaus kann man trainieren, im Wohnzimmer ist riesig viel Platz und wenn wir uns verkriechen wollen, rollen wir uns in der Höhle im Katzenbaum ein.

Uschmann Katzenbaumsicht

Mit der Klangschüssel, die man daraus beobachten kann, hat es übrigens eine ganz eigene Bewandnis. Drei Mal in der Woche soll Sylvia mitten in der Nacht, wenn sie zufällig aufs Klo muss, mit aller Wucht da drauf hauen. Oliver steht dann vom Gong auf, egal wie früh es ist, und geht schreiben. Die spinnen, die Menschen!

In welchen Städten/Orten/Ländern hast du bereits gelebt?

Oliver sagt, er habe in Wesel, Bochum, Berlin, Herne, Dortmund und Herbern gewohnt, aber “gelebt” habe er bereits u.a. in Köln, Düsseldorf, Los Angeles, Wien, Lacanau, Bordeaux, Paris, Hondarribia, Fehmarn, Amrum, Borkum, Arcen, Amsterdam sowie an den fränkischen, mecklenburgischen und westfriesischen Gewässern. Gobi hat mit Sylvia in Düsseldorf gewohnt, Sylvia in vielen anderen Orten, u.a. ihrem geliebten Köln und Bad Homburg. Und ich stamme vom Bauernhof in Horst.

Welche Rolle spielt dein Stadtteil für Dich, d.h. inwiefern bestimmt die Welt vor deiner Haustür dein Wohngefühl mit?

Oft stehen unsere Menschen draußen im Garten und seufzen vor Glück, weil der Wind im Bambus spielt und die Fische im Teich plätschern. Es riecht nach Thuja. Drumherum nur Land, Kinder, Krähen über dem Feld. Wir finden das alle toll. Nur neulich kam ein rauchender junger Mann an der Hecke vorbei, der sagte: “So viel Landglück, ekelhaft. Wer so zufrieden ist, ist künstlerisch erledigt.” Ich hab ihm in die Hacken gebissen. Oliver wollte das so.

Welche Jobs hast du bereits gemacht?

Oliver Uschmann

Oliver war Operationshelfer und Blutlachenputzer in der Urologie (auch als “Zivildienst” bezeichnet), Packer bei UPS, Radiojournalist, Berufsrevolutionär, Veranstalter, Nachhilfelehrer, Tutor, Dozent, Ghostwriter, Sänger, Schlagzeuger, Musik-, Kultur- und Spielejournalist, Theorieadministrator, Renovierer, Werbetexter, Koch, Gartengehilfe und natürlich Schriftsteller. Also alles nur langweiliges Zeug. Kein Mäusefangen, kein Fischefangen, kein Klettern. Sylvia ist bildende Künstlerin, Grafikdesignerin, Programmiererin, Beraterin und Mitautorin der Romane. Gobi und ich sorgen dafür, dass sie ab und zu auch mal Pause machen.

Kannst du gut anpacken? Hast du handwerkliche Fähigkeiten?

Oliver und Sylvia sind beide extrem praktisch. Sylvia war das schon immer, sie hat als Teenager alleine ein Hochbett mit Handbohrern gebaut. Das sagt Oliver immer, wenn ihn einer über der Gartenhecke anmacht: “Ey, Lan, was willst Du? Meine Frau hat als Kind schon Hochbetten mit Handbohrern gebaut!” Oliver selbst glaubte bis zum 22. Lebensjahr daran, dass alles schon immer so existierte, wie es da steht. Häuser, Parkbänke, Autos, Gartenteiche. Von Gott geschaffen. Die Männer in der Familie konnten nichts, außer seinem Onkel Dieter selig, der alles beherrschte. Yachten umbauen, Wohnungen renovieren, 5-Sterne-Menüs kochen. “Auch Du kannst ein Dieter sein!” sagte Sylvia ihm einst. Seither hat er fast alles gelernt. Nur mit Tapeten steht er auf dem Kriegsfuß.

Oliver Uschmann - Treppe

Was kochst du für deine besten Freunde? Was kommt auf den Teller, wenn es mal schnell gehen muss?

Die beiden machen dann Gemüsepfanne mit vielen kross angebratenen Zwiebeln, Sojasteaks mit vielen kross angebratenen Zwiebeln und Selbst belegte Dinkelpizza mit Pilzen, Artischocken, Peperoni und – wenn es mal ganz verwegen wird – vielen kross angebratenen Zwiebeln. Da sie viel arbeiten, haben sie selten Gäste. Sind mal welche da, gibt es als Vorspeise einen Vollwertteller mit Buchweizen und als Hauptgang eine Gemüselasagne mit unfassbar viel kross angebratenen Zwiebeln. Uns bringen sie manchmal frischen Fisch mit. Deswegen bleiben wir und die Gäste eher nicht.

Kann man unangemeldet bei dir vorbeischneien?

Oliver sagt, wir sollen sagen: “Man kann schon, man kommt dann nur nicht rein.”

Müssen deine Besucher ihre Schuhe ausziehen?

Oliver sagt, wir sollen sagen: “Nur bei Matsch in meterdicken Rillen sowie wenn sie zufällig mit Stollen, Noppen, Kletterspikes oder eisenbeschlagenen High Heels vorbeikommen.”

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Oliver Uschman - Wohnzimmer 2

Als Katzen müssen wir mal ganz klar sagen: Es gibt hier zu wenige Teppiche! So! Ansonsten gefällt es uns. Alles sehr hell, sehr geradlinig, mit viel Kunst, Mischung aus alten, modernen und selbstgebauten Möbeln und vielen Pflanzen. Wie ein Haus der Künste eben. Nur bei Oliver unten im Keller, wo sein Büro und ein Beamerkino sind, sieht es immer noch aus wie in einer Studentenbude. Der rauchende junge Mann von neulich schaute mal durchs Fenster und meinte: “So ordentlich? Keine wilden Stapel? Keine Kippen? Keine Wäscherberge? Die sind künstlerisch erledigt.” Ich bin dann rausgerannt und habe ihm wieder in die Hacken gebissen.

Wo verbringst du, abgesehen vom Bett, am liebsten Zeit in der Wohnung?

Tagsüber sitzen Oliver und Sylvia beide an ihren Schreibtischen, aber am liebsten hocken Sie zusammen mit uns auf der Couch und spielen “Super Monkey Ball Deluxe” oder “Discworld” auf der Playstation.

Welche Ecke deiner Wohnung zeigst du nicht gerne, und warum?

Ihren Geheimraum zeigen sie niemandem. Warum, bleibt geheim. Wirklich. “Vielleicht sind sie doch nicht künstlerisch erledigt”, sagte der junge Mann, als ich kurz von seinen Hacken abließ und ihm das erzählte.

Welches Möbelstück ist dir das liebste in der Wohnung?

Oliver Uschmann Wohnzimmer

Ihr liebstes Möbelstück ist ihr unfassbar angeberisches Bücherregal, das sie selbst entworfen haben. Unseres natürlich der riesige Katzenbaum mit Brücke zum Kleiderschrank.

Deine letzte Anschaffung, die völlig unnötig war.

Oliver kaufte einen halben Zentner Bricketts für den Kamin, die nicht aus Holz, sondern aus Steinkohle waren. Solche Details übersieht er gerne. Das räucherte das ganze Haus aus. Schlussendlich hing Sylvia japsend im Dachfenster und schrie nach Hilfe.

Was fehlt dir noch in deiner Wohnung?

Die beiden sagen: Wii, Xbox360, Tischtennisplatte, Swimming Pool sowie Original-Donkey-Kong-Automat aus den 80ern.

Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten? Und wie lautet die Antwort?

Die beiden sagen: Guten Tag, wir sind die Gebrüder Coen, Sie kennen uns vielleicht von unserem Film “The Big Lebowski”. Wir würden gerne Ihre Bücher verfilmen. Hätten Sie was dagegen?
Antwort: Nein.

Noch besser wäre:

Frage: Guten Tag, wir sind die Gebrüder Coen, Sie kennen uns vielleicht von unserem Film “The Big Lebowski”. Wir würden gerne Ihre Bücher verfilmen, auch wenn wir wissen, dass Quentin Tarantino und Tom Hanks auch schon angerufen haben. Hätten Sie was dagegen?
Antwort: Nein.

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Mehr von diesem Haus gibt es nicht. Mehr über Hartmut und ich gibt es unter www.hartmut-und-ich.de. Die HdK-Galerie findet Ihr unter www.haus-der-kuenste.de und Olivers Beratungsdienst unter www.wortguru.de

6 Kommentare (closed)

  1. sehr lustig zu lesen und schön geräumige wohnung. viel erfolg noch! sehr sympathisch…

  2. Finde ich auch sehr niedlich das mit den Katzen. Der Text ist prima zu lesen. Aber eine Frage plagt mich doch sehr: warum müssen Künstler immer Vegetarier sein, Dinkel verarbeiten, Klangschalen rumstehen haben und schon überall gewohnt haben? Hmm..vielleicht ist das der Grund, warum ich keiner bin :-D

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