Bringt mehr mehr?

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Vor ein paar Tagen habe ich (schon wieder) einen neuen Tumblr angelegt. Hinter right in front of me steckt kein großes Konzept. Die Idee ist, täglich oder zumindest fortlaufend, Fotos online zu stellen, die ich am selben Tag gemacht habe. Fotos von “Dingen”, die vor mir sind. Manche Fotos erzählen vielleicht eine für andere nachvollziehbare Geschichte, andere erzählen höchstens mir eine Geschichte.

Da mich zwei Freunde darauf angesprochen haben, warum ich denn nun schon wieder “etwas neues” angefangen habe, ein paar weitere Gedanken zum Warum.

Ich habe früher immer betont, wie wichtig ich es finde, Durchhaltevermögen zu beweisen. Wer etwas anfängt, sollte es zu Ende bringen und so. Da das Internet aber kein Ende hat, wackelt diese Einstellung gerade ein wenig. Auf mein Konto gehen mindestens zwei verwaiste Blogs und sehr viel mehr angefangene kleinere und größere Ideen/Projekte.

Vergeudete Zeit?

Stellt sich die Frage, ob die investierten Stunden und Tage unnütz waren. Hätte ich mir die Zeit auch sparen können?

Nein, hätte ich nicht. Es gibt viele Gründe, eine Idee irgendwann aufzugeben (keine Zeit, keine Lust, kein Talent, …) aber mir fällt eigentlich nur ein Grund ein, eine Idee überhaupt gar nicht erst anzugehen: keine Eier kein Selbstvertrauen.

Aber zurück zur Frage oben. Bringt mehr mehr? Ich will mal bei dem (zugegeben nicht weltbewegenden) Beispiel des Tumblrs bleiben.

Beispiel

Ich bin seit drei Jahren sehr ehrgeizig, was die Fotografie anbetrifft. Wenn ich mich also verbessern will, dazu lernen, dann muss ich daran härter arbeiten als an allen anderen Interessen. Fotografie ist für mich so interessant, weil sie Handwerk, Kreativität und, nennen wir es mal künstlerischen Ausdruck, zusammenbringen kann. Eine ganze Menge, um einfach mal so gute Arbeiten aus dem Ärmel zu schütteln. Dafür braucht es Zeit. Das Auge muss trainiert werden, das Handwerk sollte man beherrschen, Bildideen wollen entwickelt werden, und selbst die passende Bildbearbeitung sollte man drauf haben. Und zwischen alledem wäre es doch wirklich nett, wenn man so etwas wie einen eigenen Stil hätte, oder?

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Hilft also alles nichts, wer kein Wunderkind ist, muss daran arbeiten. Stück für Stück. Tag für Tag. Es hilft nicht, von Digital auf Analog zu wechseln, die fünfte Linse für die Kamera zu kaufen, selbst der neue, sauteure Blitz – bringt dich alles nicht weiter, wenn du keine Motive siehst, Licht nicht verstehst, oder keine Bildideen entwickeln kannst.

Daran arbeite ich. Und je mehr ich das tue, desto mehr entwickelt sich (hoffentlich) jeder dieser Punkte bei mir. Projekte wie Sonic Iceland oder right in front of me helfen mir dabei, weil sie mich aus der Bequemlichkeit locken, gewohnte Wege zu nehmen. Aber sie helfen mir auch nur deswegen, weil ich sie selbst angefangen habe.

Und deshalb ganz klar High-Five für mehr mehr.

Meinungen?

34 Kommentare (closed)

  1. Was soll man dazu noch groß schreiben, du hast mit jedem Wort recht. Und wenn aus einigen Projekten oder wie auch immer nichts wird, man lernt immer wieder etwas neues dazu.

  2. Kann ich voll und ganz unterstützen.

    Zudem fällt mir noch ein weiterer Punkt ein: Grenzen austesten. Egal, in welche Richtung. Und Dinge ausprobieren – einfach, weil es geht & es für jede gewählte Ausdrucksmöglichkeit mittlerweile (mindestens) einen Service gibt, mit dem man andere Menschen daran teilhaben kann. Da muss nicht immer alles bis ins letzte Detail ausgereift und perfektioniert sein, denn das ist ja Teil des Lernprozesses.

  3. Um wieder Chase Jarvis zu zitieren (was ich in letzter Zeit leider viel zu oft mache, aber der Mann hat einfach Recht):

    How many pictures will you let pass you by if you wait till you get a better camera, better lights, or better vision? If you do what your teacher tells you to do without pushing the boundaries of photo school, will your work look just like everybody’s in your class?

    Die Basics in der Technik zu beherrschen ist eins, alles andere, vor allem der eigene Stil, kommt danach, und das kommt nur mit Übung. Natürlich bringt mehr mehr.

  4. << Wer etwas anfängt, sollte es zu Ende bringen und so.

    Ich bringe eigentlich nichts zuende. Fange aber vieles an. Habe total Spaß dabei und überhaupt kein schlechtes Gewissen (mehr). Das Leben besteht aus Veränderung und losen Enden. Na und?!

    Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren. Bis man das gefunden hat, was einem richtig Spaß macht. Und dann wieder was Neues.

    Alles andere ist langweilig. Auf die Dauer. Für mich.

  5. ist man nicht irgendwann bei der fülle an projekten so unter druck und zugzwang, dass man überhaupt kein bock mehr hat?

  6. Interessant bleibt man dann, wenn man sich verändert. Und außerdem ist der Strauß an Möglichkeiten doch viel zu bunt, um nur schwarz oder weiß zu denken. Solange Du bei allem auf Deinem Weg bleibst (und das tust Du… brauch man garnicht lange überlegen) und dabei wächst, ist es genau richtig. Weiter so!

  7. Bin ich dabei!

    Hat bei mir ziemlich gedauert aber mittlerweile mache ich es auch nach dem Motto: Lieber 20 Sachen anfangen und 19 wieder einstampfen, statt keine Sachen machen und warten, dass die geniale Idee (und über das meditative Warten die Meisterschaft in Dingen) kommt…

    Danke für Teilhabenlassen, Kai! :)

  8. Gute Idee!
    Gerade Fotografieren hat etwas mit stetiger Übung zu tun und was hilft da besser, als durch ein Blog einen gewissen Druck zu verspüren, auch an schlechten Tagen zu knipsen :)

  9. Hej Kai, hast Du eigentlich die Kamera immer überall dabei? Oder wie entstehen sonst täglich die vielen neuen Fotos? (Die mir übrigens sehr gut gefallen!)

  10. Danke!

    Genau so ist es, man muss seine Bequemlichkeit verlassen.

    Dein Satz …keine Eier kein Selbstvertrauen. Hat mich wachgerüttelt, ich werde ein Projekt das ich schon lange rumtrage, STARTEN :)

  11. Schöner hätte ich die Argumente für mein ‘Projekt 365 – Jeden Tag ein Foto’ nicht zusammenfassen können.

    Ich bin seit 1. Januar 2010 dabei und habe es durchaus schon den einen oder anderen Tag verflucht. Nach dem nun aber etwas mehr als die Hälfte der Zeit rum ist, freue ich mich über meine Ergebnisse und Entwicklung.

    Mittlerweile habe ich meine Kamera inkl. 50 mm Festbrennweite immer dabei. Ich bin gespannt, wie das nach dem Ende des Projektes wird.

    Viel Erfolg, Durchhaltevermögen & Spaß
    TF
    http://www.tfaltings.de/projekt-365/

  12. Hahaha, Jeriko muss immer dit gleiche Zitat posten :D Das ist wie eine Sucht ;) Aber nein, es passt natürlich perfekt.

    Was das “projektieren” angeht: sollte ich wohl nichts sagen. Ich bin eine Meisterleistung des Anfangens und Aufhörens was das Internet betrifft. Aber es ist wichtig: denn die besten Sachen sind bereits aufgegebenen Dingen entsprungen.

    Man darf halt nie aufhören, anzufangen.

  13. Volle Zustimmung, als ich #walkingtoworktoday am 27. März begonnen habe, hätte ich es nicht gedacht, dass ich es bis jetzt durchhalte. Aber es macht so derbe viel Spaß und es bringt auch viel, um sich etwas mehr mit den kleinen Dingen im Leben zu beschäftigen!

  14. Pingback: gelinkt… am Montag | Der Typ von Nebenan

  15. Ich fänd einen (sehr) kurzen Kommentar, eine Überschrift im “fuck you very much” style sehr gut noch!

  16. Pingback: Photo-Challenge #1: Spielkind – die Ergebnisse | Jeriko

  17. Schön,

    hat n touch von visualixe oder fuckyouverymuch nur eben mit eigenen bildern, was die arbeit erheblich erschwert. echt supi kai!

  18. right in front of me gefällt mir richtig gut. ein klitzekleines fitzelchen text ab und an würde meine persönliche neugier vielleicht ein bisschen befriedigen :)

    und zur mehr mehr diskussion kann ich nur sagen tun ist meisten besser als nichts tun!

  19. ganz ehrlich, wenn die bilder auf sonic iceland alle von dir sind. dann hast du schon eine richtung deines stils gefunden, die bearbeitung ist nicht immer meinst. passt aber ins “konzept”. trotz das die bearbeitung/effekte… teils nichts neues sind, sind sie auf die motive gut abgestimmt, schließlich kann man das rad nicht neu erfinden, aber man sollte es trotzdem versuchen :)
    im gegensatz zu kirsten find ichs gut das kein text da ist, man muss selbst denken und sich zusammenhänge darstellen, gut vllt. ein paar bild unterschriften wie namen, straßennamen oder was du dir da in die pfanne gehaun hast.

    mehr ist mehr: defintiv mehr probieren ist mehr erfahrung, ist mehr wissen, ist mehr….

    achja, btw.: soll ich dir meine adresse geben? dann kannst du mir die leica senden und ich bin glücklich :D
    p.s: vergiss das objektiv nicht

  20. Ich war länger nicht hier. Deine Site ist ja schon wieder neu. Kurz schön, aber die Kategorien links machen mich schwindelig.
    Tages-Fotos finde ich gut. Ich habe auch massig solcher Bilder, aber längst nicht so professionell wie Deine. Aber ich finde es schön von anderen Menschen solche Bilder zu betrachten als Ausschnitt aus deren Leben.
    Bitte weiter machen. Danke und Gruß!

  21. und wo kommentiere ich die schönen bilder. Wo sage ich geilgeilgeil, wie teile ich mit, ha, das habe ich auch gerade gesehen.

    Weil der schöne Himmel war vielleicht rightinfrontofyou, aber in dem Fall auch rightinfrontofme

  22. Tolle Idee, toll umgesetzt. Deine Fotos aus unserem Veedel Ihrefeld sind doch sowieso immer wunderschön!

  23. na dann hoffen wir mal, dass es weiterhin mehr dinge direkt vor dir zu sehen gibt und ich finde auch, dass man neue ideen nicht aufgeben sollte, nur weil manche alte schon mal nicht so gelaufen sind, wie man es sich vielleicht vorgestellt hatte.

  24. Pingback: Simpler ist besser - StyleSpion