Ein Regal fürs Leben

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Wenn wir uns schon so oft über Nachhaltigkeit unterhalten, dann doch bitte richtig. “Shelves For Life” von William Warren – ein formschönes Regal, das nach dem es seinen Besitzer ein Leben lang begleitet hat, zu einem Sarg umgebaut werden kann.

“Shelves For Life is a self-initiated project to further explore ideas of built-in sentimentality within our possessions. The aim is to make stronger emotional relationships with our belongings and encourage life-long use.”

Makaber, ich weiß.
Shelves for Life via

Die Grafik oben zeigt einen Screenshot aus dem Magazin Wallpaper (Ausgabe Dezember 2006).

15 Kommentare (closed)

  1. ich finds nicht makaber. es gibt ja inzwischen genug leute, die sich in einem sarg ihres fußballvereins oder einem e-gitarren- (turnschuh, skateboard,…) förmigen sarg beerdigen lassen, da ist das ja noch relativ normal. in dem regal beerdigt zu werden, wo jahrzehntelag die geliebten platten/cds/bücher/glaselefanten standen, warum nicht?

    (übrigens wird der preis mit 350 pfund angegeben. das ist für ein designer-regal aus massivholz (?) nicht teuer und für einen sarg ein wahrer discounterpreis).

    warum gibts eigentlich keinen sarg von ikea?

  2. Doch, ich finde es makaber.
    Dann müssen die Angehörigen nach seinem Tod das Regal abbauen und zu einem Sarg umgestalten? Ohje.
    Irgendwie sieht das auch unstabil aus ;)

  3. Vom Grundgedanken her eigentlich nicht makaber, eher konsequent* aber vielleicht doch nicht ganz durchdacht. Das Regal/der Sarg wird auf die Maße des Bestellers produziert. Die meisten werden aber mit dem Alter ein bissl pummeliger. Ich stelle mir die Szene nach dem Tod vor, bei dem der Bestatter den VErwandten (die eigentlich froh waren, wenigstens keinen Sarg aussuchen zu müssen) beibringen muss, dass der Sarg den in den letzten Jahren des Lebens erworbenen Pölsterchen nicht standhält. DAS wäre makaber…

    *(zumindest nicht in der Produktionsumgebung der Jetztzeit – Zitat: “Tatsächlich heisst Waren produzieren menschliche Eigenschaften in die Produkte zu implizieren, sie zum Ebenbild des Menschen zu machen.”)

  4. Ein bisschen makaber ist es schon.
    Ich fände es witzig, wenn man Zeit seines Lebens seine Lebensversicherung und Testament im Regal aufbewahren würde. Das macht es den Hinterbliebenen um ein Vieles leichter… ;-)

  5. Es soll ältere Leute geben, die bevor sie in Urlaub fahren das Beerdingungsessen vorkochen und einfrieren – für den Fall der Fälle. Warum nicht auch bei den Särgen vorsorgen. Die Idee Särge im Möbelhaus zu kaufen finde ich auch nicht schlecht. Vielleicht wird es Zeit etwas lockerer mit dem Tod umzugehen.

  6. Jetzt können sich Bestattungsinstitute ein zweites Standbein aufbauen und Kunden binden. Quasi mit Auf- und Abbauservice.

  7. Wohnst Du noch oder stirbst Du schon?

    Da werden die erben aber blöd gucken wenn das erhoffte Designerregal von Opa plötzlich zum Sarg mutiert. Aber ich muss Tanja recht geben…. stabil sieht das wirklich nicht aus. Das die “Bodenplatte” wie bei Bild drei zu sehen einfach zusammengsteckt wird und der Rahmen wiederum auf dieser befestigt ist… ich bin nicht vom Fach, aber ich stelle mir da schon ein paar unschöne Szenen auf dem Friedhof vor. Ach was bin ich heute zart beseitet…. vielleicht findet man ja bald sein Erdmöbel bei ikea in der Fundgrube… abgeplatztes Funier interessiert die Würmer nicht.

  8. sooo weit hergeholt ist die verbindung sarg-regal ja irgendwie nicht. im süddeutschen heißt der tischler schreiner, was daher kommt, das der nicht nur für die möbel, sondern auch für die särge zuständig war. es gibt durchaus noch schreinereien/tischlereien die das parallel betreiben. warum also nicht beides auch als designerstück verbinden??

    aber wo wir grade bei den fachfragen sind: ich muss thomas recht geben, die steckweise könnte bei etwas schwereren personen tatsächloch zu unschönen szenen führen. die bodenkonstruktion muss also nochmal überdacht werden…

  9. Nicht nur im Süddeutschen Raum ist das Wort Schreiner gängig. Im Mittelalter war der Schreiner fürs Bauen der Schreine zuständig. Diese Schränke hatte man ein Leben lang im Haus stehen und funktionierte sie nach dem Tod oft in einen Sarg um. Die Idee vom Sargregal ist also alles andere als neu. Im Mittelalter war das üblich.

  10. Pingback: Nicht im Normlicht » Twitter Updates for 2009-04-08

  11. Im schlauen Buch steht folgendes:

    Tischler: mit dem Suffix -ler gebildeter Berufsname für den Holzhandwerker, der feinere Möbel (z. B. Tische, Truhen) herstellte. Das Wort »Tisch«, das der Berufsbezeichnung zugrunde liegt, wurde aus lat. discus (Scheibe, Platte, Schüssel) entlehnt und bezeichnete ursprünglich kleinere Holzplatten mit einer Vertiefung in der Mitte, die vor jeden Einzelnen gestellt wurden und gleichermaßen die Funktion von Tisch und Schüssel erfüllten. Die Berufsbezeichnung Tischler begegnet z. B. in Breslau seit dem ausgehenden 14. Jh. Entstehungsgebiet der Familiennamen Tischer/Tischler ist vor allem der ostmitteldeutsche und niederdeutsche Raum. Im oberdeutschen Raum hieß der Möbelhersteller Schreiner. Diesem Berufsnamen liegt mhd. schrn ( lat. scrnium (rundes Behältnis) zugrunde, das zunächst für kostbare kirchliche Behälter galt, später auch für weltliche Möbelstücke wie Kästen und Truhen zur Aufbewahrung von Kleidung, Geld und anderen wertvollen Sachen. Weitere Familiennamen aus dem Bereich der Möbelherstellung sind Kister, Kistler, Kistner, Kistenmacher. Sie leiten sich von mhd. kiste ab, ebenfalls ein Lehnwort aus dem Lateinischen (lat. cista (Kasten)). Unter »Kiste« verstand man im Mittelalter einen Kasten, in dem vor allem Kleidung aufbewahrt wurde.

    Weit hergeholt ist es also wirklich nicht.

  12. Das ist eine super Idee! Gerade in der heutigen Zeit von Krise und Armut! Wer kanns sich schon noch vernünftige Särge leisten?

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