Ein Tag im Museum der Fotografie in Berlin

Nur fünf Monate nach dem Unfalltod des Fotografen Helmut Newton im Jahre 2004 eröffnete das Museum der Fotografie in Berlin; Sitz der Helmut-Newton-Stiftung. Seine Witwe June Newton – in fotografischen Fachkreisen besser bekannt als Alice Springs – übertrug die Bildersammlung ihres verstorbenen Gatten an die staatlichen Museen Berlin, die fortan in der Jebensstraße 2 in Berlin zu betrachten sind. Später im gleichen Jahr wurde die Sammlung noch um die Dauerausstellung Helmut Newton’s Private Property ergänzt, in der u.a. Newtons Kameras, Notizbücher und sogar ein Teil seines monegassischen Büros zu bestaunen sind.

Im Eingangsbereich empfangen einen die Big Nudes des Meisters. Eindrucksvoll. Im Erdgeschoss ist die Dauerausstellung zuhause, dort wird natürlich krasser Personenkult betrieben, so sind z.B. mehrere komplette Outfits vom Hemd bis zu den Schuhen ausgestellt. Aber auch die fotografischen Utensilien lassen den geneigten Betrachter aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, wenn u.a. Schamhaar-Toupets neben Portrait-Objektiven ausgestellt werden. Krass.

Alles in allem lohnt schon die Newton-Sammlung einen Besuch im Museum der Fotografie. Seit April diesen Jahres ist aber auch die Pigozzi and the Paparazzi Ausstellung in die Jebensstraße gezogen. Eine Präsentation aus den sog. “klassischen Tagen” des Paparazzitums, den 60er und 70er Jahren. So sehen wir ca. 350 Schwarz-Weiß aber auch einige Farbfotos von z.B. Brigitte Bardot, Alain Delon, Marlene Dietrich oder auch modernere Aufnahmen von Mick Jagger, Woody Allen und Carla Bruni. Ein lohnender Blick auf die Entstehung der heutigen Yellow Press.

Mein persönliches Highlight zeigt den Fotografen Ron Gallela zusammen mit Marlon Brando auf einem Foto, wobei Gallela einen American Football Helm als Schutz trägt. Dazu muss man wissen, dass Brando dem Paparazzi bei einer früheren Begegnung mehrere Zähne ausgeschlagen hat. Natürlich darf in so einer Sammlung auch der junge Sean Penn nicht fehlen – und natürlich ist er mit von der Partie.

Richtung Ausgang kann man dann noch einen Tee trinken und dabei die zahllosen newtonschen Nackedeis betrachten. Ein kleiner aber gut sortierter Shop bietet eine hervorragende Auswahl an Bildbänden aller (auch weniger) bekannten Fotografen und lädt zum Schmökern ein.

Die Pigozzi and the Paparazzi Ausstellung läuft nur noch bis zum 16. November 2008. Also einfach ein paar Tage früher zum BarCamp Berlin anreisen und und einen Besuch im Museum der Fotografie einplanen. Es lohnt sich.

Veröffentlicht von Ralf-Jürgen Stilz

Auf photoappar.at betreibt rajue einen Blog über Fotografie. Dort verarbeitet er seine Eindrücke aus künstlerischer Fotografie, Tutorials, Hardwarefetischismus und das Leben in digitalen Foto-Communities. Die Synthese von Technik und Kunst - der Photoapparat - ist sein Gemüse.

2 Kommentare (closed)

  1. Für Besucher des Museums ist vielleicht auch noch folgendes interessant, wenn man schonmal in Berlin ist:

    Hommage an Klaus Voormann -
    REMEMBER REVOLVER
    7. bis 12. Oktober 2008
    Selektion aus der gleichnamigen Werkschau anläßlich seines 70. Geburtstages.

    im Automobil Forum unter den Linden

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