Eingemauert! – Dokumentation über die Mauer

Wenn ich hier in Berlin unterwegs bin, ist die frühere Teilung der Stadt durch die Mauer ein ständig wiederkehrendes Thema. Ich tue mir schwer damit, mir auch nur annähernd vorzustellen, dass es diese Mauer wirklich gab, dass die Stadt geteilt war, dass…

“Eingemauert!” ist eine im Auftrag der Deutschen Welle entstandene, animierte Kurzdokumentation über die Mauer. Mich schaudert es bei der Vorstellung, dass auch nur ein Mensch bereit war, tagtäglich mit der Waffe in der Hand im “Todesstreifen” darauf zu warten, dass jemand versucht, diese Mauer zu durchdringen, um ihn zu erschiessen.

via Nerdcore und Netzpolitik

13 Kommentare (closed)

  1. “Mich schaudert es bei der Vorstellung, dass auch nur ein Mensch bereit war, tagtäglich mit der Waffe in der Hand im “Todesstreifen” darauf zu warten, dass jemand versucht, diese Mauer zu durchdringen, um ihn zu erschiessen.”

    falsch, die meisten grenzsoldaten haben gehofft, nie in solch eine situation zu kommen, in der sie gebrauch von der waffe machen müssen.

  2. Auch wenn sie gehofft haben nie in eine solche Situation zu kommen, so wären sie doch bereit gewesen oder?

  3. Sehr gut CG Animation übrigens. Ich kenne das noch alles “live”, gut umgesetzt.

  4. @ Marc: sie mussten bereit sein. es ist ein immenser unterschied, ob man aus intrinsischer oder extrinsischer motivation auf menschen schießt. wir sollten uns davor hüten, den einzelnen ddr-grenzsoldaten für an der innerdeutschen grenze vollzogene verbrechen zu beschuldigen.

  5. auf jedenfall schrecklich und heute, obwohl es gar nicht so lange her ist, gar nicht mehr vorstellbar. allerdings muss man sagen, das ganze war neben aller schrecklichkeit wirklich rafiniert ausgebaut, mit all den sicherheiten, damit keiner flieht.

    auch sehr interessant sind fluchtgeschichten. was die leute sich haben einfallen lassen um diese ganzen hindernisse zu umgehen.

    danke für das video, gänsehautfaktor

  6. @Falk: Diejenigen Grenzsoldaten, die’s getan haben, kann man sehr wohl eines Verbrechens beschuldigen.
    Ich sehe da keinen Unterschied zu den Erfüllungsgehilfen der vorherigen gesamtdeutschen Diktatur.
    Ob man jedes “kleine Licht”, d.h. jemanden, der “nur mitgemacht” hat, vor Gericht bringen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

  7. @Wolfgang: Völlig richtig.
    Ich finde es immer noch ziemlich krass wie offenliegende Verbrechen der DDR nachwievor “relativiert” werden, da es ja auch Dinge in der DDR gab die gut waren da ja nicht jeder Linientreu war (das streite ich nicht ab). Aber das war bei der gesamtdeutschen Diktatur (ich darf zitieren ;) ) auch so. Und auch dort hat die Mehrheit schön brav mitgemacht.
    Dieser ganze DDR Popkultur Scheiß hat meines erachtens dazu beigetragen das die DDR als “nicht ganz so schlimm” betrachtet wird. Jetzt nach 20 Jahren wird so langsam mal alles aufgearbeitet. Der werden mit Sicherheit noch nen paar pikante Sachen kommen. Um fair zu sein, das mit dem Vergangenheit aufarbeiten hat in der BRD auch lange gedauert. In der DDR wurde es dafür nie richtig getan.
    Wie krass das System war kann man sich schnellstens vor Augen führen indem man mal darüber nachdenkt das Menschen es tatsächlich versucht haben eine so im Prinzip unüberwindbare Grenze zu überwinden und letztendlich dem Mut hatten gegen dieses System aufzustehen, mit allen Konsequenzen.

  8. @ Wolfgang: du solltest die ganze sache wesentlich differenzierter betrachten. ich empfehle dir daher die lektüre der einschlägigen urteile zum thema schießbefehl an der innerdeutschen grenze. mein anliegen ist es nicht, irgendjemanden in schutz zu nehmen, doch warne ich eindringlich davor, ausführenden organen unhinterfragt die schuld an verbrechen zu geben, die an anderer stelle befohlen wurden.

    @ Marc: das hat nichts mit verklärung der ddr zu tun. ich wäre mit sicherheit der letzte, der die ddr in der retrospektive glorifizieren würde. und wenn du aufmerksam lesen würdest, dann hättest du auch aufgenommen, dass ich von “verbrechen” gesprochen habe. ich kann mich nur wiederholen: an der innerdeutschen grenze und auch in der restlichen ddr sind schlimme dinge passiert. doch sollte man kritisch hinterfragen, ob der 20-jährige nva-soldat, der gerade seinen 2-jährigen grundwehrdienst ableistet und zur wache an der grenze verdonnert wurde (und dem bei verweigerung des schießbefehls alles andere als das paradies auf erden in aussicht gestellt wurde), schuld an all dem leid hat, welches im politbüro der sed wohlwollend in kauf genommen, ja gar mit voller überzeugung und im wissen um die konsequenzen befohlen wurde.

  9. @Falk: Wenn er mitgemacht hat dann hat er zumindest eine Teilschuld. Es gab auch Leute die nicht mitgemacht haben, mit allen Konsequenzen.

  10. dem ist tendenziell nicht zu widersprechen. nur mutet mir dann – wie bereits in meinem ersten kommentar ausgeführt – der von kai hervorgebrachte satz “Mich schaudert es bei der Vorstellung, dass auch nur ein Mensch bereit war, tagtäglich mit der Waffe in der Hand im “Todesstreifen” darauf zu warten, dass jemand versucht, diese Mauer zu durchdringen, um ihn zu erschiessen.” etwas befremdlich an, da im unterton mitschwingt, dass der mord am grenzstreifen im interesse der grenzsoldaten/-polizei lag und selbigen folglich die schuld zuzusprechen sei.

    bitte versteht mich nicht falsch, aber ich denke man sollte mit dieser thematik sehr sensibel umgehen.

  11. @Falk gute Argutmentation, bin vollkommen deiner Meinung!
    du hast Recht, wenn du dich auf auf die Mauerschützen-Urteile beziehst, die erneute Anwendung der Radbruchschen-Formel war mehr als umstritten.