Fotografie: Knackscharf ist keine Bildaussage

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Ich bin nicht immer auf alles stolz was ich so mache, aber auf meine Leidenschaft für Fotografie schon. Als ich vor drei Jahren den Paketboten herbeisehnte, der mir endlich meine erste Kamera bringen sollte, hatte ich keinen Schimmer, was das lostreten würde. Seitdem hat sich für mich eine Menge verändert. Ich nehme beispielsweise meine Umwelt bewusster wahr, als ich es vorher getan habe. Ich sehe, wie die Sonne unsere Erde mit Licht bespielt. Ich sehe manchmal Situationen, bevor sie eintreten und mit ein wenig Glück kann ich sie sogar festhalten. In den drei Jahren haben sich nach und nach zwei Regale mit Büchern zu dem Thema gefüllt. Wann immer es sich anbietet, bin ich im Netz damit beschäftigt, unzählige Fotos von Fotografen zu betrachten. Und wann immer es sich anbietet, fotografiere ich.

In den drei Jahren veränderte sich auch meine Herangehensweise an die Fotografie. Ich bin kritischer geworden. Mein Geschmack hat sich verändert. Das betrifft meine eigenen Fotos genauso wie die anderer. Ich ertappe mich dabei zu denken, dass ich viel zu spät mit der Fotografie begonnen habe – ja, eigentlich schon zu alt bin, um noch richtig etwas zu reißen. Ich ertappe mich auch dabei, mir zu Wünschen, dass viele Leute, die über das Fotografieren schreiben, eine Pause machen sollten. Dass sie eigentlich keine Hilfe sind, und nicht mit dem bestmöglichen Beispiel vorangehen. Ich sehe ein, dass es sehr sehr schwer ist, sinnvoll über Fotografie zu schreiben, und habe damit selbst schon vor längerem aufgehört. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn mir mal wieder jemand schreibt: Tolles Foto, mit welcher Kamera hast du das gemacht? weil es den Denkfehler so schnell aufzeigt. Niemand würde jemals auf die Idee kommen, einen Maler zu fragen, mit welchem Pinsel er das Werk gemalt hat.

Die Fotografie wird von den meisten aber schlicht auf die Hardware bezogen. Ein großer Denkfehler, an dem die Kamerahersteller nicht unwesentlich Schuld tragen. Auch sie kommunizieren ständig irgendwelche technischen Details – die für ein gutes Foto aber vollkommen unerheblich sind. Auch “Fotomagazine” sind nicht anders, und noch schlimmer: Fotoblogs. Auch da sehe ich selten Leidenschaft für die Fotografie, für das Foto. Es findet sich kaum ein Fotograf, der nicht in jedem zweiten Beitrag über Hardware schreibt. Aber wer stellt eigene Fotoserien vor? Wer will eigentlich wirklich mit seinen Fotos etwas aussagen (Dass dein Foto knackscharf ist, ist leider keine Bildaussage)? Wer checkt eigentlich, dass er sich bei der Vorstellung anderer Fotografen eigentlich als Kurator aufspielt, aber nicht die Arbeiten des Fotografen super findet, sondern nur die portraitierten Damen?

Nein, das soll kein Rant gegen irgendwen werden. Es ist nur eine Beobachtung und eventuell ein Denkanstoß, beim nächsten Griff zur Kamera (oder in die Tasten) kurz innezuhalten, und sich zu fragen, ob es nicht etwas mehr Inhalt sein darf. Damit meine ich auch mich.

Stimmt doch alles gar nicht? Bitte einfach deutschsprachige Gegenbeispiele in die Kommentare schreiben. Ich freue mich darauf.

65 Kommentare (closed)

  1. I like. Ich mag vor allem den Teil mit der Kurator-Sache und dass es da bei vielen (nicht bei allen!) um die portraitierten Damen geht. Das denke ich mir auch so oft.
    Danke Kai.

    Ein weiterer Punkt für mich ist, dass aus einem schlechten Bild kein gutes Bild wird, nur weil eine nackte Frau darauf zu sehen ist. Im Gegenteil.

  2. Du hast die Foren vergessen. Abgesehen davon sehe ich aber auch eine gewisse Berechtigung in der Frage nach der Ausrüstung. Zum einen gibt es Bereiche, die man mit einer durchschnittlichen Kamera schlecht abbilden kann, Sport- oder Konzertfotografie ist (auf professionellem Level) eine reine Materialschlacht, die man mit einer Kitkamera nicht gewinnen kann. Zum anderen gibt es technische Aspekte in Bildern, die man nur mit bestimmtem Material machen kann. Zum Beispiel Portraits die mit Großformat-Kameras gemacht wurden: Die kannst Du mit einer KB-Kamera zwar nachfotografieren, ihre Wirkung wirst Du aber nie erreichen. Meine Neugier nach der Material der Fotografen hat mich in Anschaffungen getrieben, die mir viele neue Erkenntnisse gebracht haben. Das muss nicht unbedingt eine Kamera sein, das kann auch mal was ganz simples wie ein Faltreflektor sein. Deshalb ist die Frage nach der Kamera zwar an sich falsch aber dahinter muss nicht unbedingt eine falsche Absicht stecken.

  3. Ja. Der Fotograf macht das Bild. Die Kamera ist Mittel zum Zweck.

    Ja. Die Medien beschäftigen sich viel zu viel mit der Technik.

    Interessanter ist oft der Prozess, wie ein Bild entstanden ist. Welche Aussage damit getroffen wird. Ein gutes Foto muss nicht knackscharf sein. Es kann es. Es darf es auch oft.
    Aber der Schnitt, die Situation, die Sicht – die sind eigentlich noch wichtiger. Warum hat der Fotograf das gerade so gemacht? Was ist ihm durch den Kopf gegangen? Ist das Bild gestellt oder aus einer Situation heraus entstanden?
    Das sind Elemente, die bei der Beurteilung von Bildern viel zu oft nicht beachtet.

  4. Ich beschäftige mich jetzt seit ungefähr 2 Monaten mit Fotografie aus der Nicht-Konsumenten-Seite. Was stark auffällt: Fotografen wollen sich vom lästigen Hobbypack abheben, indem sie von irgendwelchem Technikfirlefanz reden, den Vintage/Analog-Fad kritisieren, iPhone-Fotografie scheisse finden weil es ihre Kunst so in den Dreck zieht, Post-Processing vernichtend in die Ecke schieben weil es ja nicht authentisch ist.

    Und ich lach einfach jedes Mal und frag mich ob die an ihren perfekten Bildern und ihrer perfekten Ausrüstung und ihrer perfekten Berufung überhaupt noch Spaß haben. Wobei ich mich natürlich auch fragen könnte, ob ich jemals gute Fotos machen werde, wenn ich immer nur so rumeier, aber das ist es mir wert.

    Was ich sagen wollte: fällt mir auch auf, find ich gut dass du’s erwähnst, ich liebe meine Kamera und mir macht es Spaß alles festzuhalten aber ich habe keine Ahnung von nichts und oh hups ein Eichhörnchen

  5. Danke für Ihre Worte. Sie sprechen mir aus der (Foto) Seele… “Ein Bild sollte man anschauen, nicht darüber reden.” Elliott Erwitt
    Ihren Standpunkt gegenüber der Technik teile ich auch, jemand, der gut sieht, einen Blick für die Umwelt hat, kann ebenso ein tolles Foto mit einer Schachtel mit einem Loch machen, und braucht eine L.., H…, oder M…oder N… Natürlich hilft Technik, das ist halt wie beim Staubsaugen (ist auch lustiger mit einem Staubsauger!), aber es sollte/darf doch nicht das einzig Interessante sein. Fragen sie doch mal Herrn Monet nach seinen Pinseln, er wird lachen…
    Beste Grüße von der fotostrada, Wien, ciao, martina

  6. Also wie schon so oft erwähnt macht ja die Sara hübsche Fotos, vielleicht liegt es auch daran das sie noch weniger Ahnung von der Technik hat.

    Und ich schreibe mich auch mal dazu… Ich mache selbst keine perfekten Fotos und habe wenig Ahnung was ich da eingestellt habe und will es manchmal gar nicht wissen. Ab und Zu liefert mir der Automatik Modus das gewünschte Ergebnis. Ja ich traue mich das auch mit einer DSLR auszuprobieren. Einfach das spielen mit den Einstellung, das naive drehen an irgendeinem Rad. In der Hoffnung alles richtig gemacht zu haben.
    http://www.designisnowhere.com/category/fotos/

    Ich mach ja nur Werbung für mich u_u

  7. @Peter Das ist alles korrekt. Aber, 90% der Konzertfotografen betreiben für mich ein Handwerk. Ein scharf abgebildeter Sänger am Mikro mittig ist keine Kunst sondern tatsächlich einfach durch Hardware erreichbar. Da sehe ich als Betrachter nichts vom Konzert. Da kommt kein Gefühl auf, zu verstehen, was da im Club passiert ist. Wie gesagt, bei vielen sehe ich das so – es gibt aber zum Glück wunderbare Ausnahmen :)

  8. Oh und, was ich auch sagen wollte: all der ganze Krimskrams den ich mir für meine Kamera gekauft habe (bzw noch kaufen werde, ich kenne mich), hat mir nie so viel gebracht wie ein einziges Objektiv und ein Wikipedia-Eintrag über die Wirkung von Licht. Seitdem fotografiere ich am liebsten im Dunkeln (no shit) mit meiner kleinen p&s canon ixus. ISO 1600!!!!!!

  9. Ey Paul sprich für dich selber, ick wees ja nich was du machst aber ich kenn mich schon mit der Technik aus, ich hab nur nich den größten Spaß dran immer alles perfekt umsetzen zu müssen. Es ist halt Schnappschussmentalität, nicht Unwissenheit. Aber danke.

  10. @Kai: Klar ist das Handwerk. Reines Geldverdienen, deshalb werden auch vornehmlich langweilige, knackscharfe Portraits produziert weil die meisten Redaktionen nämlich was anderes gar nicht drucken wollen. Bilder mit Atmosphäre sind leider gar nicht gefragt. Aber das ist auch ein ganz anderes Thema ;)

  11. Hallo Kai,

    im Wesentlichen würde ich dir zustimmen. Allerdings finde ich die Rubrik Bildkritiken hier

    http://fokussiert.com/bildkritiken/

    schon einen Schritt in von Dir gewünschte inhaltliche Auseinandersetzung mit Bildern?!

    grüße
    marek

  12. danke!
    aber wenn du mal richtig furchtbare diskussionen lesen willst, gucke ins dslr-forum ;)
    ich kann nicht nachvollziehen, wie es einem spaß bringen kann, wenn man fotos die man gemacht hat in der 100% ansicht auf irgendwelche bildfehler, unschärfen oder was auch immer untersucht. habe ich bisher noch nie gemacht und ich würde einfach mal behaupten, dass ich das auch nie tun werde ;)

    blog-empfehlungen habe ich allerdings auch keine. diese ganzen technikblogs interessieren mich nicht wirklich und einfache “bildersammlungen” ohne text bei tumblr finde ich deutlich ansprechender und entspannter!

    ach, und volle zustimmung bei dem teil mit den “damen”! auch wenn es blödsinn ist, ärgert es mich immer ein wenig, wenn leute mit furchtbaren fotos in den kommentaren mit lob überschüttet werden, nur weil einfach mal jemand für sie blank gezogen hat… ;)

  13. @Sara
    Das du dich erst seit zwei Monaten damit beschäftigst hatte mich in dem Glauben gelassen das dir da noch einiges an Technikwissen fehlt. Entschuldige, wenn ich da falsch lag :)

    Ich geh dann mal wieder mit meinem Kit-Objektiv in der Ecke spielen…

  14. Ich kann das so gut nachvollziehen! Jeder scheint sich nur für die Technik zu interessieren – die aber so wenig vom letztendlichen Foto ausmacht. Das Pinselbeispiel gefällt mir da wirklich sehr gut, macht es doch genau deutlich, worum es geht. Danke!

    Auch wenn es nicht immer klappt, so versuche ich bei meinen Posts über Fotos das immer mitzudenken. Egal ob das Bild mit einem Handy oder eine Supermega-Kamera aufgenommen wurde – schlussendlich geht es um die Aussage des Bildes und darum, was es mit mir macht und nicht um all das, was man in den Exif-Daten findet.

    http://fakeguru.de/category/foto/
    (wegen der Eigenwerbung (vgl. @Paulchen) und zum nachgucken, ob das überhaupt stimmt, was ich hier sage u_u)

  15. alswo ich mag dieses hardware gewi$%& auch nicht. und ich erwähne es auch nicht in meinem blog. da findet man nix zu meinem equipment.
    ich verlasse seiten auch sehr schnell wieder, wenn ich feststelle, dass der/die betreiber mir zu arg auf der genutzten oder angestrebten hardware herum reiten. nicht mein ding.
    da schau ich mir doch lieber fotos von lomos, holgas und co. an. die bewegen was in mir. :)

  16. Teilweise gebe ich Dir recht, teilweise auch nicht. Ja es stimmt, sehr viele Menschen die Kameras besitzen machen sich zu viele Gedanken über das Equipment. Alleine die tausend Foreneinträge über Backfocusprobleme bei Objektiv XYZ zeichnen hier das richtige Bild. Aber und da widerspreche ich Dir, ein verwackeltes Bild muss auch nicht immer eine Aussage haben. Um mal das andere Extrem aufzuzeigen. Sehr oft heißt es nämlich, ja klar das habe ich aber so gewollt. Eigtl. sollte es aber heißen, sorry aber ich kann die Kamera nicht bedienen. Das Problem ist eben den Mittelweg zu finden.

    Aber kommen wir mal zu dem viel wichtigeren Thema Bildaussage, welches Bild hat denn eine Aussage? Ganz überspitzt gesagt, ein leicht unscharfes Bild eines kaputten Fahrrads entstanden in irgendeinem Hinterhof hat mehr Aussage als ein perfekt ausgeleuchtetes knackscharfes Bild mit einem gut geschminkten Model in einem Studio? Ich denke beide haben ihre Berechtigung.

    Beispiele für Fotoblogs: Katja Kuhl, Calvin Hollywood, Ondro, Paul Ripke, Markus Schwarze.
    Alles Blogs von Fotografen die nur mal am Rande erzählen welches Equipment zum Einsatz kommt.

  17. @der Stilpirat: Ich wollte damit nicht dich (oder andere Fotoblogs, die ich lese) beleidigen aber ich vermisse so etwas in Deutschland: http://meganmcisaac.tumblr.com/ oder http://www.jonpauldouglass.com/blog/ oder meine geliebtes http://duckduckcollective.com/blog/
    Es ist irgendwie was anderes! Zudem habe ich gar keine Ahnung von Fotografie, will ich auch nicht, gucke mir nur gern schöne Bilder an! Manchmal knipse ich ja auch aber ich weiß nicht, was ich da mache.

  18. @Paul: es hat sich nur in dem Kontext so angehört wie “blubbiblubb lass das Baby spielen JA FEIN MACHST DU DAS”, habe mich nur ein bisschen mockiert ;)

    (habe früher viel analog fotografiert, deshalb ist die Technik prinzipiell nur in der Umstellung von Film auf Digital und anhand der Objektive für mich Verlaufen.. und ich bin total eingenommen von post-processing.. aber ansonsten haste durchaus recht)

  19. Die Frage, ob man Fotografie als Kunst (im weitesten Sinne) oder als (Neben-, Haupt- oder wasauchimmer-)Erwerb betreibt ist wird hier ein bisschen vernachlässigt.
    Natürlich braucht ein Sportfotograf eine verlässliche und schnelle Kamera, weil er mit seinen Bildern Geld verdienen muss und niemand ein unscharfes Bild von einem Bundesligaspiel in der Zeitung haben will, solche Fotografen produzieren technisch gelungene Bilder für einen bestimmten Markt (wer Informationen will, möchte sich verständlicherweise nicht erst einer ausufernden Bildinterpretation hingeben). Gleichzeitig kann man auch mit der hinterletzten Handykamera ein großartiges Sportfoto machen, man muss nur vielleicht ein bisschen länger darauf warten, weil man nicht aus 10 Bildern pro Sekunde auswählen kann und auf andere Reize als nur die Schärfe achten muss.
    Technik ist für professionelle Fotografen entscheidend, für viele Amateure ein Bonus (natürlich freut man sich über die haptische Qualität einer teuren DSLR mehr als über ein Plastikgehäuse) oder ein Fetisch (auch wenn ich Gefahr laufe gesteinigt zu werden, aber eine Leica allein macht auch kein Gutes Foto aus).
    Für gute Fotos muss man Kreativität und im Optimalfall auch noch ein bisschen Gespühr für Gestaltung und Bildwirkung mitbringen und das dann verknüpfen. Dabei ist es unerheblich, ob ein bestimmtes Bild tatsächlich nur mit einer bestimmten Kamera möglich ist (die angesprochenen Großformat-Portraits zum Beispiel), denn es gibt ja mehr als nur dieses eine Bild.

  20. was für Bücher zum thema fotografie kannst du den empfehlen?

  21. Ok, nachdem ich eine halbe Stunde darüber nachgedacht habe, gebe ich Dir recht und wieder nicht ;-\
    Natürlich ist es völliger Unsinn zu fragen mit welcher Kamera das eine oder andere Foto gemacht wurde… im Grunde… hm – auf der anderen Seite doch auch wieder nicht.
    Je länger und öfter man sich mit Fotografie beschäftigt und verschiedene Bildstile analysiert, treten zwangsläufig Fragen nach dem “wie hat er oder sie das gemacht” auf.
    Perspektive oder Schärfentiefe ist ein wesentliches Mittel der Bildgestaltung und bei meiner Analyse von Fotografien stellte sich mir oft die Frage nach dem eingesetzten Objektiv oder der eingesetzten Kamera. Mittlerweile habe ich einen ganz guten Überblick darüber, wie man bestimmte Bild-Aussagen mit der richtigen Wahl des Objektives gestaltet.
    Ich bin froh, daß es flickr gibt und dort die Wahl der Kamera, des Filmes oder des Objektives fleissig mit gepostet werden… So erspare ich mir teure “Versuch und Niederlage” Spielchen bei Objektiven.
    Deshalb glaube ich jedoch noch lange nicht, daß ich Fotos wie Kalle Gustaffson machen kann, bloß weil ich die gleiche Kamera benutze…

  22. Die meisten Fotografen, die ich kenne, sind beleidigt, wenn sie die Frage hören: “Tolles Foto. Mit welcher Kamera arbeitest Du?”

    Ich persönlich mag fokussiert.com und jeriko.de

  23. @Stilpirat darf ich Steffen sagen? ;) Selbstverständlich spielt die Kamera/Objektiv/Processing Geschichte eine enorme Rolle. Was mich an der Frage ärgert ist doch klar: der oder die Fragende suggeriert mir, dass die Kamera das Foto gemacht hat. Hat sie aber nicht. ICH habe es gemacht, mit Hilfe der Kamera.

  24. Lieber Kai,

    vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Ich beschäftige mich bereits seit einigen Jahren nebenher mit der Fotografie und seit einem Jahr auch beruflich. Wenn ich mir anderen Fotografen rede, geht es zumeist immer nur um die technischen Dinge. Ich allerdings komme über die Kunst zur Fotografie und vertrete praktisch den Gegenpol zur “technischen” herangehensweise.

    Du hast mich mit Deinem Beitrag deshalb erreicht, weil ich die letzten Wochen immer wieder zweifelte, ob ich denn überhaupt eine Chance habe, meine Fotos bekannter zu machen, wenn alle Experten immer sagen: Also mit diesem Objektiv brauchst Du gar nicht erst anfangen. Hier. Dass hier kostet zwar ganz viel Geld, aber das sieht man dann auch. Für einige Wochen hat diese Aussage meinen Ehrgeiz pausieren lassen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und bin ebenfalls zu der Erkenntnis gekommen, die Du hier Wort für Wort wiedergibst. Nachdem ich meinen Ehrgeiz wieder wecken konnte kam auch schon die Belohnung: Ich habe Leute gefunden, die mir helfen möchten, meine Bildideen umzusetzen. Nun kann ich tatsächlich meine Gedanken in Bilder umwandeln. Trotz “kleiner” Kamera – dafür aber mit viel Fantasie! Und ich gehe voll und ganz darin auf.

    Ich hoffe, dass Dein Beitrag auch viele andere Leute erreicht, die ebenfalls zweifeln, ob sie ohne viel Geld überhaupt die Chance haben, sich beruflich zu verwirklichen. Es kann klappen!

    Liebe Grüße!

  25. @Thomas:

    Foren ist ist ein tolles Thema, da kann man echt viel Spaß haben wenn man Langeweile hat. Einfach mal ‘ne Blöde Frage einstellen und dann den Dinge Ihren Lauf lassen und genießen. Wichtig ist nur, dass man etwas fragt, wobei nach so genannten NO GOES gefragt wird. Kombinationen wie WW und Portrait o.ä. sind immer ein gefundenes Fressen. Wenn man die richtige Frage stellt kann es sogar sein das Blut fließt. ;)

  26. @Kai und wie sogar, aber es trifft das Thema ;)
    Mich würde ( nicht jetzt gleich, erst nach ein paar Tagen wenn Du dich durch die Artikel gewühlt hast ) interessieren was du zu den Blogs sagst, treffen sie das was Du gesucht hast oder hast Du auch dort das etwas flaue Gefühl das die Technik im Vordergrund steht.

  27. @Daniel, das Feedback kann ich dir schon geben, ich kannte die Blogs bereits. Sie treffen nicht das, was ich suchte, was aber nicht zwangsläufig am Inhalt liegt, sondern an meinem Geschmack. Die meisten zeigen inszenierte Auftragsportraits. Das ist vollkommen in Ordnung, nur kann ich mich mit dem Look nicht anfreunden.

  28. @Kai ehrlich gesagt dachte ich mir das schon. Der Stil ist einfach ein anderer. Aber ich behaupte mal die Blogs treffen genau das gefragte :), keine Technik aber Bilder.
    Leider kenne ich aber auch keine Blogs im deutschsprachigen Raum wie z.B. der oben schon genannte DuckDuck. Welcher trotz des anderen Stils schon lange in meinem FeedReader verweilt.

  29. toller artikel!

    die “wahre” fotografie ist für mich noch immer die analoge.
    das totknipsen jeder ecke, dass das digitale mitsichgebarcht hat, hat viel verändert im bezug auf die fotografie und auf die herangehensweise.
    jeder kann natürlich machen was er will, und ich will das digitale nicht verteufeln, hat ja seine vorteile bzw jobspezifischabzuschätzen. leidenschaft und “leben” der fotos find ich, wird rarer.

  30. Ich kann den Artikel zu 100% unterschreiben und versuche für meinen Teil alles etwas anderes zu machen. Ich habe aber festgestellt, dass der geneigte Leser Inhalte zu Technik und ähnlichem fordert. Hier drüber er sich jedoch falsch aus. Eigentlich fragt er: “Wie wird es denn gemacht? Was brauche ich dafür? Wie ist der Workflow?” Nur wenige denken sich wirklich hinein und versuchen zu verstehen. Objektiv A ist besser als B…. So etwas interessiert mich nicht sonderlich. Das Thema Technik schneide ich nur dann an, wenn meine Gedanken gerade darum kreisen, weil ich was ganz bestimmtes vorhabe. Ich verstehe die ganze Sache so, dass ich andere Anteil an meiner eigenen Suche nach dem “Wie wird es gemacht?” haben lassen möchte. Manchmal spiele ich auch Kurator, nämlich immer dann, wenn ich von jemanden richtig beeindruckt bin und Tage lang sein Portfolio studiere, um dahinter zu kommen, wie er es anstellt.
    Über Technik zu reden ist leicht, denn da muss man nur ein Datenblatt abtippen. Bildgestaltung und die Kunst dahinter lassen sich nur schwer in Worte fasse.

  31. Die Fotobücher würden mich auch interessieren.. du hast offensichtlich schon eine Menge gelesen.
    Ein feines, nicht technik-lastiges Buch über Fotografie, das du einfach gerne magst?

  32. ich denke mir sehr oft, ob leute mehr auf die fotoeinstellungen als auf das endgültige ergebnis schauen?! wie oben schon gesagt wurde, oft ist die frage “welche einstellungen hast du benutzt?!”

    weiters fällt mir eine kurze story zum thema ein:

    vor rund 2 monaten hab ich ein foto gemacht, von dem ich selbst sehr überzeugt war. mir hats einfach zugesagt und ich hab mir gedacht, ich “präsentiere” es im DSLR-Forum.
    das erste kommentar war “überschärft, bearbeitung mist, gefällt nicht”…..
    jetzt weiß ich, dass es bei einem foto nicht drauf ankommt, ob es anderen gefällt, sondern dass es nur dem fotografen selber gefällt.
    deswegen habe ich auch aufgehört bilder im forum herzuzeigen, da ich mir denke, dass meine bilder einfach auch nur mir selber gefallen müssen – und bei allem respekt, auf diverse “bild ist mist” kommentare bin ich nicht wirklich scharf ;)

  33. Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob jemand Fotografie als Kunst macht oder als Brotberuf. In der Kunst spielt Technik wohl nicht so eine große Rolle, da sind andere Dinger relevant. In der Pressefotografie, beim Bildjournalismus, bei der Protraitfotografie, Hochzeit.. etc. ist Technik sehr wohl relevant (m.M. n.), weil du wirst kein Schirennen mit einer Hasselblad fotografieren können, sondern eher eine Canon/Nikon nehmen.. Lustig und spannend finde ich, daß gerade dieses Thema “Technik ja/nein” so ein großes Echo hervorruft. Ich kenne viele Fotografen, wo die verwendete Technik sehr wohl ein Thema ist, das sind dann aber eher Fragen zu Objektiven, Speicherkarten, Gehäusen, Kamerataschen etc. Die Frage “Tolles Bild, welche Kamera” stellt ein Profi nicht, sondern eher der Amateur, der glaubt, mit der gleichen Technik das gleiche Bild machen zu können. Aber das ist ja wohl wie mit dem Kochen – kann auch nicht jeder, und wenn er noch so ´ne tolle Küche hat!

  34. Ich hab das Gefühl, diese Diskussion taucht genauso regelmäßig auf wie die Diskussion um die Technik. Dass nicht die Kamera das Foto macht, sondern der Fotograf ist eine Binsenweisheit und viele gefeierte Klassiker der Fotografie sind nach heutigen Standards technisch unzulänglich.

    Andererseits, es gibt immer Moden in der Fotografie, von daher kann man kaum von technisch unzulänglich sprechen, eher von “anders”. Ich hab z.b. das Gefühl dass zur Zeit nicht die Schärfe nicht so sehr interessiert, sondern der Wow-Effekt. Weitwinkel, nah ran, Vignette drum, extreme Kontraste=wow, tolles foto. Dabei gilt auch hier genauso: das macht noch keine Bildaussage.

    Aber, ganz ehrlich trotzdem interessiert mich Technik, einfach weil ich es spannend finde. Ich hab das Gefühl der Vergleich zum Maler hinkt, kann das aber nicht beurteilen, weil ich selbst nicht male. Aber, was mir als Vergleich einfällt: die einzig größere Leidenschaft als Fotografie die ich habe ist Kochen (bin sowohl “nur” Hobbyfotograf als auch “nur” Hobbykoch) und es passiert leider viel zu selten, dass ich mal von einem Gericht wirklich beeindruckt bin. Wenn ich aber mal eins finde, fange ich automatisch an es zu analysieren, ich will wissen warum es mir so gefällt. Das ist für mich Teil des Genusses. Dazu gehört neben den Zutaten und der Komposition auch die Frage nach der Technik. Ich weiss, dass es für ein gutes Essen ziemlich egal ist, was für Ausrüstung (Messer, Pfannen, Herd), ein Koch benutzt, und trotzdem finde ich es spannend anderen quasi über die Schulter zu gucken. Sei es nur um Anregung zu bekommen oder einfach aus purer Neugier.

    Ähnlich ist es bei Fotografie, mich interessiert einfach was dahintersteckt, weil ich es besser verstehen will und weil ich dadurch lerne. Dazu gehört Licht, Komposition, Bildaufbau, aber auch die Technik. Da ich persönlich nur analog fotografiere (der Luxus des Hobbyfotografen) finde ich es z.B. immer sehr spannend zu wissen welchen Film und Entwickler jemand genutzt hat. Film ist finde ich ein schönes Beispiel, weil es sich nicht dieser Illusion des digitalen Pixelzählens hingibt. Jeder weiss, Filme haben unterschiedliche Eigenschaften und es gibt kein objektives besser oder schlechter, nur anders.

    Aber auch bei der Kameraausrüstung, ich find es teilweise äusserst interessant bei einzelnen Aufnahmen z.b. zu wissen mit welchem Objektiv sie gemacht wurden, vor allem auch um Anregungen zu kriegen und Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. Um zu sehen welche Kamera ich mir mal angucken könnte und von welcher ich lieber die Finger lasse.

    That being said, die Technik und Ausrüstung ist immer nur das i-Tüpfelchen, das Bild steht im Vordergrund. Und ganz ehrlich, wenn ich mich durch Fotoblogs, Fotografenwebseiten und Foren klicke und jemand hat da eine große Kategorie “meine Ausrüstung” ist es für mich meistens der Impuls die Seite wieder zu verlassen. Nicht weil mich Ausrüstung nicht interessiert, sondern weil Schwerpunkte falsch gesetzt werden, ich hab das Gefühl da geht es dann nur um Selbstbestätigung. Und nein, das gilt nicht nur für die angeblich so selbstverliebten Leicafotografen, sondern für alle. Ob nun jemand sagt “Seht her, was für tolle Profiausrüstung ich habe” oder “Seht her, was für tolle Fotos ich mache, obwohl ich nur Toycameras benutze” macht doch keinen Unterschied.

  35. Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Allerdings bleibt einem oft beim Betrachten von Fotos nichts weiter übrig, als die technische Seite zu beleuchten, weil das Foto ansich langweilig ist..
    Natürlich ist die Hardware unabhängig von der Aussage des Bildes (um noch einmal den bis zur Kotzgrenze ausgereitzen Satz “Nicht der Apparat, sondern der Fotograf macht das Foto”), aber sie ist nicht unwichtig. Das hängt aber vom fotografischen Stil des Fotografen ab (z.B. Tilt Shift bei Architektur).
    Blogs finde ich vergleichsweise untechnisch.. Foren dagegen sind grauenhaft (Stichwort: Ziegelsteinmauern)..

    M.

  36. Lieber Kai, vielen Dank für diesen Artikel! Du sprichst mir aus der Seele, wobei: Ohne Technik geht es halt nicht ;-) aber ich würde mir auch mehr konstruktive Kritik wünschen, weshalb jemandem ein Foto gefällt. Nur “schön” hilft auch nicht, um sich weiterzuentwickeln.

  37. Hey Kai,
    ich bin erst neulich auf deinen Blog gestoßen,
    und ich sehe es genauso wie du.
    Oft ist die Einstellung zur Fotografie zu konservativ
    und zu Technikabhängig.
    Ich fotografiere schon seit 7 Jahren
    und dennoch ist meine Ausrüstung eine Ansammlung vom Flohmarkt.
    Es kann sehr oft passieren, dass ich mich über Leute ärgere
    die mit Spiegelreflexkameras rumrennen, aber keine Ahnung haben was sie da eigentlich machen.
    Ich suche in Fotografien einfach nur Ausdruck
    und eine besondere Ästhetik bzw Anti-Ästhetik.

    Die deutschsprachige Welt der 14-22 jährigen ist einfach überfüllt mit Kommentaren wie “Schönes Bild, welche Kamera?”

    Ich habe das Gefühl, dass ich selbst sogut wie nie Leute finde, die wirklich etwas von Fotografie verstehen.
    Was natürlich nicht heißen soll, dass ich das selbst tue.

  38. Oh danke, sowas sollte viel öfter gesagt werden. Knackscharf ist keine Bildaussage, ‘Bokeh’ ebenfalls nicht. Auch ‘Schwarzweiß’ oder ‘Holga’ oder ‘Lomo’ nicht. Mir schein manchmal, 95% der Fotografierenden sind nur Kamerabesitzer und das Werkzeug ist wichtiger als das Bild.

    Wenn ich gute Fotoinspiration sehe will, dann schaue ich z.B. bei ‘Who killed Bambi’:
    http://www.whokilledbambi.co.uk/category/photography/

    Oder Acidolatte:
    http://acidolatte.blogspot.com/

    Das sind aber keine Fotoseiten oder -blogs, sondern eher Kunst- und Designblogs. Aber mit tollen Sachen!

  39. Hallo Kai,

    ich stimme Dir zu. Es wird viel zu viel über Technik gefaselt. Nur: wie es aussieht, kann man darüber viele Leser gewinnen. Weil sich einfach auch so viele dafür interessieren und sie lieber über Kameras als über Bilder diskutieren …

    Auch dieser Beitrag geht in diese Richtung – auch wenn es ein “Anti-Technik”-Artikel ist. Hättest Du eine eigene Fotoserie vorgestellt, wären die Kommentare (wahrscheinlich) nicht so zahlreich ausgefallen. Naja, bei Dir vielleicht doch …

    Aber es gibt schon Blogs, bei denen die Technik im Hintergrund steht oder auch so gut wie gar nicht genannt wird.

    Beispiel:
    http://www.stefan-rohner.net/blog

    Oder:
    http://www.enarro.de/inhalt/blog

    Weiterhin viel Freude mit der Fotografie!!

  40. Hi Kai,

    fühle mich grad extremst ertappt. Weil ich dir vor ein paar Tagen erst die Frage: “Tolles Foto, mit welcher Kamera hast du das gemacht?” gestellt habe.

    Vollkommen richtig, dass viele einfach nur über Technik / Hardware labern. Zähle mich auch dazu, aber wie das Motiv schlussendlich aussehen soll, bestimmt der Fotograf nicht die Kamera.

    Danke für die Rückbesinnung bzw. Denkanstoß.

    Gruß

    Robert

  41. Fotos sind Momente also ist die beste Kamera ist die, die man dabei hat.

    Habe in Diskussionen manchmal stark den Drang Leuten mitten in der Diskussion einen Link schicken zu wollen, weil der Link das was ich sagen will noch besser erklärt!
    Das ist einer dieser Posts. Unser Uarrr kann solche auch gut :-)