fahrrad schatten

Vor etwa einer Woche habe ich euch angeboten, Fragen bezüglich der von mir hier vorgestellten Fotos zu beantworten. Das Feedback war nicht schlecht, und es gab einige Überschneidungen.

Um alles unterzubekommen, teile ich die Antworten auf vier Beiträge auf.

Teil Eins: Hardware und Allgemeines
Teil Zwei: Bildbearbeitung und Verwaltung in Lightroom
Teil Drei: Vorher/Nachher Beispiele der Bildbearbeitung
Teil Vier: Weitere Fragen/Literaturempfehlungen und Webtipps

Zunächst noch eine Anmerkung: Produkte, die in diesem Beitrag verlinkt sind, enthalten einen Partner-Code, d.h., wenn ihr etwas davon bestellt, bekomme ich eine Kleinigkeit des Kaufpreises ab.

Die Hardware

Ich habe schon oft betont, dass die Hardware zwar für gewisse Ergebnisse eine Rolle spielt - trotzdem aber extrem überbewertet ist. Überbewertet dahingehend, dass es ein leichtes ist, sich vorzumachen man würde bessere Fotos machen, wenn man doch nur dieses und jenes Modell hätte. Es mag sich klugscheisserisch anhören, aber die wichtigste Hardwarekombi ist Auge + Gehirn. Nur wer ein gutes Foto sieht, hat eine Chance, es auch einzufangen.

Duchemin hat in seinem empfehlenswerten Buch über Reisefotografie “Within The Frame” sinngemäß folgendes geschrieben: Ein Foto sind eigentlich drei Fotos. Das erste Foto entsteht im Kopf, wenn man ein Motiv entdeckt. Das zweite Foto ist das Foto, das man von dem entdeckten Motiv mit der Kamera einfängt. Das dritte Foto entsteht durch die digitale oder analoge Entwicklung/Nachbearbeitung, bei der die Farbgestaltung, Kontraste usw so angepasst werden, wie der Fotograf sein Foto sieht.

Diese Beschreibung kann ich für mein Verständnis zu 100% abnicken.

Nichtsdestotrotz benutze ich natürlich Hardware, und dafür habe ich auch in den letzten zwei Jahren eine Menge investiert.

Die Kamera

Ich habe mit einer D40 von Nikon angefangen, weil sie eine der günstigsten digitalen Spiegelreflexkameras war, die zudem (zurecht) sehr gute Kritiken bekommen hat. Es folgte eine Nikon D80, und seit etwa acht Monaten das Nachfolgemodell, die D90.

Die Begründung für die Updates ist recht simpel: Die Kameras zeigen in der Reihenfolge bei höheren ISO-Werten geringeres Rauschen. Das ist deshalb wichtig, weil ich bei den kleinen Clubkonzerten, auf denen ich unterwegs bin, die denkbar schlechtesten Lichtverhältnisse für Aufnahmen vorfinde.

Fleet Foxes @ Huxleys, Berlin

Im Vergleich zu den Top-Modellen von Nikon, der D700 oder D3 ist das Rauschverhalten bei der D90 noch immer ziemlich mies. Sollte ich also irgendwann mit einer der beiden genannten Kameras gesichtet werden: ihr kennt jetzt den Kaufgrund.

Sollte sich jemand fragen, warum ich ausgerechnet Nikon benutze, gibt es ebenfalls eine simple Antwort. Ich habe mit Nikon angefangen, war bisher ganz zufrieden, und hatte noch nie wirklich eine Canon oder eine Kamera eines anderen Herstellers in der Hand. Außerdem wäre der Wechsel des Kameraherstellers auch damit verbunden, dass ich meine Objektive ebenfalls wechseln müsste.

Die Objektive

Alle predigen es, und ich kann nur zustimmen: Die Qualität des Objektives bestimmt die Qualität des Fotos. In den letzten zwei Jahren habe ich einige Objektive gekauft:

AF NIKKOR 50mm f/1.8D, AF NIKKOR 85mm f/1.8D, Nikkor AF-S DX 35 mm 1:1,8 G, Nikon AF-S VR DX 55-200mm 4-5,6G IF-ED, Sigma 10-20mm 4-5.6 EX DC HSM und seit kurzen auch ein Lensbaby Composer.

Inzwischen benutze ich wahrscheinlich zu 95% nur meine drei Festbrennweitenobjektive. Für die Einsteiger: Festbrennweite bedeutet, dass ich damit nicht zoomen kann. Das Objektiv hat nur eine Brennweite. Der unschlagbare Vorteil von Festbrennweitenobjektiven: Sie werden perfekt optimiert auf diese eine Brennweite und schlagen in der Qualität dadurch in der Regel die weitaus teureren Zoom-Objektive. Ein zweiter Vorteil: Objektive mit Festbrennweite sind lichtstärker, d.h, man kann die Blende sehr weit öffnen. Ein Faktor der für das Fotografieren am Abend oder in geschlossenen Räumen enorm wichtig ist.

Wenn mich jemand nach meinem Lieblingsobjektiv fragt, muss ich keine Sekunde überlegen. Es ist die 50mm Festbrennweite. Wenn ich mit der Kamera losziehe, ist genau dieses Objektiv drauf, die anderen (Festbrennweiten) warten auf ihren Einsatz in der Tasche.

Ein netter Nebeneffekt von Festbrennweiten ist zudem, dass man sich mit seinem Motiv viel mehr auseinander setzt. Der fehlende Zoom sorgt dafür, dass man vor und zurück gehen muss, einen Schritt nach links, zwei nach rechts macht. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass der Blickwinkel alles ändern kann.

Kamereinstellungen

Seit ich Adobe Lightroom für die Bildverwaltung und digitale Nachbearbeitung einsetze, fotografiere ich im RAW Modus. Es gibt genügend Fotografen, die nach wie vor auf JPEG schwören, aber da ich in der Regel einige Veränderungen am Foto durchführe, ist RAW die ideale Einstellung. Für die Einsteiger: der Unterschied zwischen RAW-und JPEG-Modus ist stark vereinfacht der, dass im JPEG Modus bereits einige Informationen des aufgenommenen Motives von der Kamera gelöscht oder komprimiert werden. Das muss kein Nachteil sein, wenn das Foto tatsächlich ideal belichtet war. Im RAW-Modus speichert die Kamera prinzipiell alle Informationen, ohne sie weiter zu bearbeiten. Genau diese Bearbeitung muss man später selbst übernehmen, hat dafür aber den Vorteil, dass man eine breitere Gestaltungsmöglichkeit mit weniger Qualitätsverlust an der Datei hat.

Ich habe mich von Anfang an dazu gezwungen, keine Vollautomatik zu benutzen, um möglichst viele Optionen selbst in der Hand zu haben. Ich benutze fast immer den Modus Aperture-Priority. Übersetzt heißt das, dass ich der Kamera vorgebe, welche Blende (und somit auch Schärfentiefe) ich haben möchte, und die Kamera die Verschlusszeit regelt.
Die Schärfentiefe ist eines der effektivsten Mittel bei der Bildgestaltung. Beispielsweise kann ich den Vordergrund vom Hintergrund durch Schärfe/Unschärfe trennen. Wäre auf dem folgenden Foto von vorne bis hinten alles scharf, hätte das Foto eine ganz andere Wirkung.

Ebenso möchte ich der Kamera sagen, auf welchen Punkt im Bild sie fokussieren soll (welcher Bereich im Foto unbedingt scharf sein soll). Daher wähle ich den Fokuspunkt immer manuell.

Zu erwähnen wären vielleicht noch die ISO-Einstellungen - eigentlich ganz einfach: Der ISO-Wert sollte immer so niedrig wie möglich sein, um Bildrauschen zu vermeiden. Ich verändere ihn immer dann (nach oben), wenn ich mit den gegebenen Lichtverhältnissen und den Einstellungen Blende/Belichtungszeit nicht mehr verwacklungsfrei arbeiten kann.

Allgemeine Fragen zum Fotografieren

Personen auf der Straße fotografieren

Berlin

Ich wurde gefragt, wie ich es handhabe, wenn ich Menschen auf der Straße fotografiere. Das ist ein heikles Thema. Zunächst gilt: In Deutschland darf niemand außer Personen des öffentlichen Lebens einfach so fotografiert oder gar publiziert werden. Jede Person muss zur Veröffentlichung ihr Einverständnis (schriftlich!) geben, um Ärger vorzubeugen.

Damit habe ich natürlich noch nicht die Frage beantwortet. Ich fotografiere auf der Straße wie ein Taschendieb: heimlich, schnell und in der Regel, ohne dass irgendwer etwas davon mitbekommt. Doh!

Am Anfang bin ich die Sache recht unbeschwert angegangen, wer sich aber meine Fotos der letzten Monate ansieht, wird aber schnell bemerken, dass ich inzwischen keine wirklich erkennbaren Gesichter mehr auf Fotos habe. Das ist meine Art, mit der Thematik zu leben.

Wieviele Fotos schieße ich?

Bei Konzerten eine ganze Menge. Da ich in der Regel nur während der ersten drei Songs fotografieren darf, lasse ich den Finger schonmal auf dem Auslöser. Zu hause darf ich mich dann auch gerne mal durch 300-400 Fotos wühlen.

Unterwegs drücke ich nicht mehr ganz so oft auf den Auslöser. Ich versuche, gleich beim ersten Mal einen Treffer zu landen.

Nachtaufnahmen / Stativ

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Ich wurde gefragt, ob ich immer ein Stativ mit mir trage. Nein. Mein Stativ staubt hier vor sich hin. Ich benutze es nie. Damit ist es in guter Gesellschaft mit meinem Blitz.
Bei Nachtaufnahmen hilft es, dass die Objektive so lichtstark sind. Hinzu kommt ein ISO-Wert zwischen 800 und 1000. Wenn die Belichtungszeit dann noch immer zu lange ist, habe ich entweder Glück, und kann die Kamera irgendwo auflegen, oder Pech, und das Foto wird nicht zustandekommen.

Fokuspunkt bei Schnappschüssen in Menschenmengen

berlin (28 von 20)

Wie oben schon erwähnt, setze ich den Fokuspunkt immer manuell. In Kombination mit einer offenen Blende und dem Schnappschuss aus der Hüfte ist das ähnlich wie Glücksspiel. Wenn ich ein, zwei Sekunden Zeit habe, setze ich den Fokuspunkt schnell auf einen Punkt, an dem ich die Vermutung habe, dass es passt. Alles andere ist tatsächlich pures Glück und evtl Übung. Ihr könnt es euch schon denken: Die Trefferquote liegt hier bei höchstens 10%.

Das war’s für heute, im nöchsten Beitrag dann mehr zu Lightroom und den Möglichkeiten, die das Programm bietet.

Über den Autor

Kai Müller {stylespion.de}

Herausgeber StyleSpion.de. Steht auf schöne Sachen, twittert, liebt Musik und die Fotografie.

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