Leica M9 – Erfahrungsbericht

leica m9 erfahrungsbericht

Heute ist ein guter Tag um ein Zwischenfazit zur M9 von Leica zu ziehen. Keine Sorge, über technische Details werde ich nicht viel schreiben, weil mich die wenigsten davon interessieren und ich zu wenig Vergleiche zu anderen Kameras ziehen kann. Trotzdem ist dieser Beitrag natürlich ein wenig nerdig, also erspart ihn euch besser, wenn ihr nicht am Thema interessiert seid.
Warum ist heute ein guter Tag? Weil ich die mir zur Verfügung gestellten Objektive morgen wieder an Leica zurückgebe – somit bin ich zwar Besitzer einer M9, aber erstmal eine Weile ohne Objektiv, bis ich dafür eine Lösung finde.

Ein persönlicher M9 Erfahrungsbericht

Bitte bedenkt, dass dies mein Erfahrungsbericht ist. Er bezieht sich nur darauf, wie und was ich fotografiere. Technische Tests zur Leica M9 gibt es ja schon mehr als genug.

Womit fange ich also an? Die M9 entspricht so ziemlich allen Vorstellungen, die ich von einer Leica M hatte: sie ist handlich, über der Schulter getragen sehr unauffällig, und sie sorgt dafür, dass man sich vollkommen auf das Motiv konzentrieren kann. Ganz extrem runtergebrochen mal die größten Unterschiede zu meiner vorherigen Kamera, einer Nikon D90:

  • Keine Spiegelreflex, sondern eine Messsucherkamera/Rangefinderkamera
  • Fullframe-Sensor (entspricht 35mm Kleinbild)
  • Kein Autofokus, Fokussieren erfolgt immer manuell
  • Kleineres Display
  • Langsamer
  • Keine Videofunktion
  • Preis: ziemlich genau das achtfache

Messsucher / Rangefinder

Beim Fotografieren mit der M9 schaut ihr durch ein sehr helles Fenster. Innerhalb dieses Fensters wird ein Leuchtrahmen eingeblendet, dessen Größe abhängig von der Brennweite des Objektives ist. Beispiel: Setzt ihr ein 28mm Objektiv drauf, ist der Leuchtrahmen fast Deckungsgleich mit der Fläche dieses “Fensters”. Setzt ihr ein 90mm Objektiv drauf, grenzt der Leuchtrahmen eine sehr kleine Fläche im Zentrum des Fensters ein. Diese Fläche ist die, die bei einer Aufnahme auf dem Foto abgebildet sein wird.
Zum Vergleich: bei einer Spiegelreflexkamera seht ihr durch den Sucher immer nur den Bildausschnitt, den ihr einfangen werdet. Der Zoomeffekt.

Diese Messsuchergeschichte war für mich am Anfang die größte Umstellung. Ich habe schlichtweg manchmal vergessen, dass auf dem Foto nur der Bereich im eingeblendeten Rahmen auf dem Foto sein wird, nicht die gesamte Fläche, die durch den Sucher zu sehen ist. Es hat nicht allzu lange gedauert, um dies erstens nicht mehr zu vergessen, und noch viel wichtiger: zu schätzen. Der Vorteil: ich sehe beim Fotografieren nicht nur exakt das, worauf ich aus bin, sondern auch das, was außerhalb des Fotos passiert und kann bei Bedarf entweder neu komponieren oder die halbe Sekunde warten, bis die Katze im Bild ist.

Das Messuchersystem wird auf der Seite von Leica anschaulich erklärt.

Das Fokussieren

Ich habe vor der M9 nie manuell fokussiert, sondern mich immer auf den Autofokus der Kamera verlassen. Bei der M9 gibt es diese Funktion nicht, das heißt, ich muss bei jedem Foto erstmal am Fokussiering drehen, bis ich das gewünschte Element scharf gestellt habe. Dieses Fokussierfeld liegt in der Mitte des Bildes. Da ich sehr dazu neige, mein Hauptmotiv nicht in der Bildmitte zu platzieren, erneut eine große Umstellung. In der Praxis bedeutet das, dass ich erst mein gewünschtes Objekt in der Mitte scharf stelle, und danach die Kamera wieder schwenken muss, um das Foto wie gewünscht zu komponieren. Das Bedarf wieder einer Umgewöhnung, hat mir aber zwei Vorteile gebracht: es ist durchaus von Vorteil, wenn man zuerst dafür sorgt, dass die Kamera für das Motiv vorbereitet ist, und danach, von der gesamten Technik befreit, das Bild gestaltet. Der zweite Vorteil: Ich habe bemerkt, dass es durchaus gut aussehen kann, etwas oder jemanden auch in der Bildmitte zu platzieren.
Diese Vorgehensweise mag umständlich klingen, tatsächlich ist sie aber einfach nur anders als wahrscheinlich gewöhnt. Inzwischen liebe ich sie, und hoffe, dass man das auch an der Qualität der Fotos sehen kann.

Ich werde recht oft gefragt, wie treffsicher ich im Vergleich zum automatischen Fokus bin. Das manuelle Fokussieren benötigt ohne Frage etwas Übung, vor allem, wenn es mal schnell gehen muss und man mit offener Blende fotografiert. Noch vor zwei Wochen hätte ich gesagt, dass sobald man in schwierigen Situationen (Beispiel: Konzert mit miserablem Licht und sich schnell bewegenden Musikern) mit dem Autofokus besser fährt. Heute sehe ich das anders. Sowohl das Konzert von Dendemann als auch das Jamaica Konzert habe ich mit der M9 fotografiert und es waren nicht mehr falsch fokussierte Fotos dabei, als sonst. Denn: gerade im Dunkeln hat der Autofokus seine Schwierigkeiten und verennt sich gerne mal. In Standardsituationen hingegen bin ich mit dem manuellen Fokussieren inzwischen schneller und vor allem treffsicherer als der Autofokus.

Die Belichtungsmessung

Bei meiner D90 habe ich mich immer auf die Belichtunsgmessung der Kamera verlassen. Es stehen dabei drei Methoden zur Verfügung: Matrix (versucht das “Gesamtbild” zu beurteilen), Mittenbetont (versucht die Belichtung anhand der Informationenen in der Mitte des Bildes zu berechnen) und Spotmessung (versucht, die Belichtung anhand eines relativen kleinen ausgewählten Spots im Bild zu berechnen).

Die Leica hat genau eine mögliche Messmethode: Mittenbetont. Keine Kompromisse. Passt diese Messmethode für alle Situationen? Nein, nicht im geringsten. Leica wird sich etwas dabei denken, an dieser Methode festzuhalten, aber sie hat ihre Tücken. Ich habe es geschafft, Portraits zu schießen, die aussahen wie ein Scherenschnitt. Aber, die M9 ist ja eine digitale Kamera, das heißt, ich kann mir das Foto im Anschluß auf dem Display ansehen. Und siehe da, nach kurzer Eingewöhungszeit lernte ich das, wofür mich die alten Hasen auslachen werden: vor dem Klick schon in etwa einschätzen zu können, welche die korrekte Belichtungszeit sein könnte und entsprechend manuell einzugreifen.

Die Bildqualität

Die Bildqualität ist überragend. Kein Wenn, kein Aber.

Objektive für die Leica M9

Ohne Objektive funktionieren nur Lochkameras, was ich ja gerade selbst schmerzlich erfahre (s. Einleitung). Die Objektive von Leica haben den Ruf, die besten am Markt zu sein. Welchen Einfluss ein gutes Objektiv auf die Qualität eines Fotos hat, können selbst Anfänger beurteilen, wenn sie zähneknirschend zugeben müssen, dass sie meinen Ratschlag, die Kamera ohne Kit-Objektiv zu kaufen, ignoriert haben und nach ein paar Monaten mal eine weitaus günstigere 50mm Festbrennweite kaufen.

Die meisten meiner Fotos habe ich mit einem 50mm SUMMARIT f2.5 gemacht. Dieses Objektiv ist quasi eine Billiglinse aus dem Hause Leica, die mit ca 1100 Euro zu buche schlägt. Will man den echten “Leica-Look” sind 2500-4000 Euro fällig.

Selbstverständlich bin ich mit der Bildqualität dieses Objektives schon mehr als zufrieden, einziges Manko: f2.5 ist tatsächlich nicht sehr lichtstark, wenn man bedenkt, dass es sogar eine f0.95 Linse gibt.

Auch wenn ich die 50mm Brennweite mag, meine nächste Linse wird eine 35er.

Der Monitor

Der Monitor ist ok, wird aber zurecht in jedem Review zur Kamera kritisiert. Meine Kritikpunkte: extrem anfällig für Kratzer, ab ISO 800 kann ich kein Foto mehr auf dem Display beurteilen. Das komt daher, dass für die Preview auf dem Monitor das Sensorrauschen nicht unterdrückt wird. Es ist ein einziges Pixelrauschfest. Ich habe irgendwo mal etwas darüber gelesen, wieso das bei der Kamera so ist, aber mich interessiert da nur das Ergebnis, und das ist nicht schön.
Dieses Bildrauschen ist übrigens auf dem Rechner nachher nicht zu erkennen, man kann sich damit also arrangieren. Trotzdem komisch, wenn man ein Portrait schiesst, und der Person beim Blick aufs Display erstmal versichern muss, dass das nachher absolut ok aussieht…

Sensorrauschen

Oben beschriebenes Problem mit dem Monitor führte dazu, dass ich davon ausging, keine brauchbaren Fotos über ISO 800 machen zu können. Stimmt aber nicht, ISO 1600 ist ok – vor allem in Kombination mit der Noise-Engine von Lightroom 3 (gehört zum Lieferumfang der Kamera), die kleine Wunder beim Entrauschen der Fotos vollbringt.

Allgemeines Handling der M9

Kommen wir zum für mich wichtigsten Faktor bei einer Kamera. Wie fühlt es sich an, damit zu fotografieren? Es fühlt sich großartig an. Der Body ist kein bisschen ergonomisch geformt, es gibt einen Schalter oben, und ein einziges Einstellrad für die Belichtunsgzeit. Das wars.
Die Leica ist keine Wunderkiste, bei der man sich fragt, was da drin vor sich geht. Die wenigen Einstellmöglichkeiten sind die einzigen, die man wirklich braucht. Auch durch das gesamte Menu der Kamera klickt man sich in Sekunden. Keine Suche (wie bei der Nikon) in X verschachtelten Menupunkten. Klingt abgedroschen, aber die Kamera ist idiotensicher zu bedienen und fühlt sich einfach ehrlich an.

Unterwegs mit der M9

Ich möchte ein wenig ausholen, der Text ist ja noch nicht so umfangreich :) Als ich mich letzte Woche bei einem Konzert an der Kasse wegen meines Fotopasses gemeldet habe, sollte ich mich kurz an die Kollegin von der Security wenden. Ich bin zu ihr hin, und zeigte meinen Ausweis. Sie begann mir zu erklären, dass ich… und plötzlich stoppte sie.
Sie: “Wo hast du denn die Kamera?”
Ich: “Na, hier.” Sie hing über meine Schulter.
Sie lachte: “Mit der möchtest du hier fotografieren?”
Ich: “Klar.”

Solche Situationen sind keine Seltenheit. Die Kamera wird im schlimmsten Falle belächelt, im besten Falle erst gar nicht wahrgenommen. Perfekt für mich. Fotografiere ich Menschen, fühlen sie sich nicht so bedrängt, wie mit den großen Kameras. Das ist sehr angenehm, und wirkt sich natürlich auch ein wenig auf den Ausdruck aus. Wer sich also gerne über sein Equipment profiliert, sollte weiterhin zu enormen Zoomobjektiven und dicken SLRs greifen.

Fotografiere ich mit der Kamera anders? Da bin ich mir nicht sicher, das müssen andere beurteilen. Ich fotografiere aber definitiv weniger. Nicht im Sinne von weniger Motive, sondern im Sinne von Auslösungen. Vorher habe ich gerne mal drei oder mehr Fotos vom selben Motiv gemacht, heute mache ich eins, notfalls ein zweites, wenn es in die Hose ging. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich mich mit der Kamera besser auf die Motive konzentrieren kann und vorher schon genau weiß, welches Foto die Speicherkarte später ausspucken wird.

Fazit

Nach dem langen Text da oben ist wohl klar, dass ich diese Kamera liebe. Die Leica M9 ist die beste Kamera, mit der ich bisher gearbeitet habe – aber das waren ja auch noch nicht wirklich viele. Ich bin bisher bewusst nicht auf den Preis eingegangen: 5500 Euro ist für eine Kamera eine Stange Geld. Ob jemand so viel Geld für eine Kamera ausgeben sollte, kann und will ich nicht beurteilen. Die M9 ist eine sehr spezielle Kamera und keineswegs ein Allrounder. Wer viel im Studio arbeitet, sich am liebsten an Makrofotografie oder Sportfotografie austobt oder nebenbei auch mal ein Video aufzeichnen möchte, der wird mit dieser Kamera nicht weit kommen. Aber für meine Art zu fotografieren muss ich keine großen Kompromisse eingehen und mein Rücken dankt es mir auch.

Platzhalter für Fragen

Auch wenn das jetzt wirklich viel Text war, einige werden noch Fragen haben. Soweit ich diese beantworten kann, werde ich den Beitrag nach und nach ergänzen.

Disclaimer: Ich bin nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben. Ich habe ihn geschrieben, weil ich viele Rückfragen zur Kamera bekomme und nun auf diesen Beitrag verweisen kann.

Microsite zur M9 von Leica.

64 Kommentare (closed)

  1. Hab das 1:0,95er Objektiv vor zwei Jahren auf der Photokina mal in der Hand gehabt. Das ist von der Konstruktion und Verarbeitung etwas, wovon ich als gar nicht mal so technikafiner Fotograf ziemlich spitz werde.
    Wenn ich mich dann wieder beruhigt habe, fällt mir allerdings ein, dass auch mein 1.4er 50mm Objektiv von Canon eine Tiefenschärfe bietet, die mir bei Offenblende manchmal schon zu extrem ist…
    Wobei ja Offenblende bei Leica wohl noch was ganz anderes ist, als Offenblende bei Canon.

  2. Kommt es einem nur so vor, oder melden sich wirklich besonders viele “Anfänger”, die sich von beziehungsweise mit einer Leica Kamera “bessere” Bilder erhoffen?

  3. @Ngai

    Das hab ich mir auch gedacht, als die letzten 2-3 Kommentare eingingen…
    Also ich finde: Es kommt mal in erster Linie auf’s ” Talent ” und auf den Blick für Fotografie an – ne Einsteigerspiegelreflex + 50mm f/1.8 Objektiv macht auch scharfe Bilder.

    Ich würd mir die Leica auch nicht kaufen wenn ich das Geld hätte, lohnt sich einfach überhauptnicht für mich.

  4. Hier kam die Frage auf, wer denn heute so alles mit Leica fotografiert. Es sind wohl eher die (Edel)Amateure und kaum die Berufsfotografen (wo sich im Kleinbildbereich so gut wie alles um Nikon und Canon dreht).

    In diesem Zusammenhang finde ich, dass im Artikel z.B. auch die manuelle Fokussierung etwas “schön” geredet wird (Zitat: In Standardsituationen hingegen bin ich mit dem manuellen Fokussieren inzwischen schneller und vor allem treffsicherer als der Autofokus.). Man könnte auch entgegnen, dass Leica den Zug einfach verpasst hat und z.B. der Umstieg auf AF verpennt wurde.

    Und wenn man nur mal den Preis zugrunde legt, muss man wohl festhalten, dass eine “normale” Vollformatkamera die flexiblere Kamera darstellt. Eine Leica M9 ist schon was spezielles …

  5. @ Martin Hülle

    Die M9 hat ein paar Qualitäten, vor allem was die Präzision im Arbeiten angeht, in der sie selbst den Canon/Nikons im Profibereich vorraus scheint. Je nach Einsatzgebiet (sind nicht viele) kann ich mir durchaus vorstellen, dass sie professionell eingesetzt werden kann.
    Dass man mit einer Spiegelreflex flexibler aufgestellt ist, ist ja ganz klar und das wird denke ich mal auch hier niemand bestreiten.
    Die M8 sollte ja für Leica der Wiedereinstieg sein in die Digitalfotografie und der war ziemlich missglückt und unausgereift. Die M9 scheint diese Reife allerdings zu haben. Bleibt der Preis, für den man neben perfekter Verarbeitung (Bildqualität mal aussen vor) und vielleicht einer Leicaästhetik auch das Image mitkauft, dass sich ja auch gut verkaufen läßt, so als Fotograf.
    Dass Leica in der Vergangenheit den Zug verpasst hatte ist offensichtlich, doch sie scheinen seit ein paar Jahren sehr bemüht wieder Player werden zu wollen.
    Leica ist ja auch nicht nur M-Serie.
    Für mich würde sich die Kamera nie rentieren, was aber auch daran liegt, dass ich größere Formate lieber mag. Und wenn ich dann die mindestens 80000 Kröten hätte, würden sicher nicht für Kleinbild quaken.

  6. @Marc
    Sicherlich kann die M9 professionell eingesetzt werden. Ich glaube aber nicht, dass es eine “Leicaästhetik” gibt, die so deutlich erkennbar ist, dass man an einem Bild sofort sagen könnte, es wäre damit gemacht. Auch denke ich nicht, dass man als Fotograf großen Nutzen aus dem Image der Marke ziehen kann, geschweige denn seine Bilder eher verkauft, weil man mit Leica fotografiert. Meinen Kunden ist es egal, mit welcher Kamera(Marke) ich fotografiere – hauptsache, die Qualität stimmt.
    Da sind es wohl oft eher die erwähnten “Amateure” mit dem nötigen Kleingeld, dich sich vielfach aus Prestigegründen für eine Leica entscheiden. Profis gehen da oftmals rationeller vor – wenn sie z.B. nur aufgrund eines besseren AF-Systems oder einer für sie besseren Objetivauswahl das Kamerasystem wechseln (was da vorne drauf steht, ist meist egal).
    Ich finde es aber gut, wenn jemand wie Kai sagt, dass er mit dieser Kamera wunderbar zurecht kommt und sie das Werkzeug ist, welches er braucht, um zu guten Bildern zu kommen. Wie es meist interessant ist zu hören, warum für den Einen dieses und für den Anderen jenes gut ist. Bei Leica passiert nur dann schnell (wie ich das in den Kommentaren zu lesen glaube), dass man der Marke Leica einen überhöhten Anteil am Bildergebnis zuspricht – noch mehr, als es nur zu oft ohnehin bei der Technik getan wird.

  7. @Ngai & Kevin Gimbel

    In gewisser Weise habt Ihr schon Recht, mit einer High-End-Cam macht man nicht automatisch auch High-End-Fotos allerdings weiß ich von meiner Arbeit als Tontechniker, dass man zwar auch mit billigem Einsteigerequipment einen guten Sound machen kann, wenn man sein Handwerk beherrscht aber es macht doch ungleich mehr Spaß, wenn man mit amtlichen Mikros arbeiten darf, eine Hochwertige Konsole vor sich hat und ein gutes Frontsystem. Man geht einfach ganz anders an die Arbeit heran, der psychologische Aspekt spielt hier eine entscheidende Rolle. So würde ich auch gerne mal für eine Fotosession meine D300s gegen eine D3s oder eine Leica etc. tauschen. BTW, gilt man nach 10 Jahren fotografischer Tätigkeit wirklich noch als Anfänger nur weil man von einer Leica schwärmt?

  8. @Martin
    Ich glaube so langsam drehen sich die Diskusionen hier im Kreis. Dass man mit einer Leica automatisch zu einem besseren Fotografen wird, ist genau so falsch wie, dass die M9 eine Amateurkamera sein wird. Die M9 ist bisher einzigartig in ihrer Sparte, denn sie ist die erste digitale Messsucherkamera, die die Qualität hat mit ihr professionell zu arbeiten. Mit gutem Recht kann man dem Vorgänger M8 ihre Marktfähigkeit in der Hinsicht absprechen, was aber nicht am Kameratyp an sich lag, sondern an der absolut unausgereiften Technik.
    Ich hatte mal die Gelegenheit ein paar Tage mit einer Voigtländer Messsucherkamera zu arbeiten. Ist schon etwas her, damals hab ich noch größtenteils analog fotografiert. Gerade analog war die Umstellung von meiner halbautomatischen Spiegelreflex schon enorm, denn kontrollieren konnte man ja erst später, was man da jetzt gemacht hat. Die Art mit der Kamera zu arbeiten ist eine ganz andere, denn man muss wirklich bewußt Entscheidungen treffen und das Bild gestalten und das auch noch technisch auf die Kamera übertragen. Klar übernimmt auch schon eine 1000d von Canon diese ganzen Dinge für dich und eine 1ds macht das sogar noch besser, aber wenn es dir der Arbeitsablauf erlaubt und du diese Entscheidungen selbst in einer solchen Präzision umsetzen kannst, wie an einer Messsucherkamera in dieser Klasse, dann ist nicht nur die reine Bildqualität vielleicht sogar vergleichbar mit einer Spiegelreflexprofikamera, dann gewinnt einfach deine Fotografie so viel mehr, weil du die Faktoren, die dein Bild bestimmen werden selbst und bewusst bestimmst.
    Hab selbst schon mit ein paar analogen und digitalen Spiegelreflexkameras unter professionellen Bedingungen gearbeitet, genau so mit Kontax, Mamiya und Hasselblatt im Mittelformat (analog und digital) und ArcaSwiss und Sinar im Großbild (und mir blutet mein Herz, dass meine eigene Sinar f im Moment nicht zu gebrauchen ist), alles sowohl im Studio als auch draußen und es ist ganz klar, dass die Spiegelreflexkamera der praktischste, flexibelste und verlässlichste Kameratypus ist, den es gibt und trotzdem gibt es nur wenige Bereiche wo sie auch wirklich die beste Wahl ist.
    Noch kurz zu Leicaästhetik: Zum Teil ist diese ganz sicher auch Einbildung, allerdings ist die schwer definierbare Tiefenzeichnung, die sich zum Beispiel auch zwischen Kleinbild und Mittelformat unterscheidet, bei einer Messsucherkamera durch die Kamerakunstruktion ohne Spiegel eine andere, da das Objektiv so unmittelbar vor der Bildebene liegt. Ausserdem halten die hochwertigeren Linsen von Leica in technischer, als auch ästhetischer Hinsicht jedem Vergleich stand.
    So. Mal gucken, ob mir der Kai ein Gastautorenhonorar springen lässt…

  9. lieber kai, wie vertraut deine erfahrungen mit der leica klingen… irgendwie wie analog-erfahrungen… abgesehen von dem möglichen check danach… wobei du ja sagst, dass der immer weniger notwendig wird. ich habe momentan so ein wenig die angst, dass ich mit meiner recht neuen, ersten digitalen spiegelreflex (auch die nikon d90) all das, was ich in meinen analogen anfängen gelernt habe, verlerne… manuell fokussieren, wissen welche einstellungen die besten wären und wenige aber treffsichere bilder zu machen… o_O

    viel spaß mit der M9… !!!

  10. Genialer Bericht und zeigt mir mal wieder, es gibt NOCH andere Leica Freaks <—-(nett gemeint) :)

    I <3 LEICA for ever …in diesem Sinne

  11. Ein schöner Erfahrungsbericht! Nach 30 Jahren analoger M-Photographie (M4-P – MP) ist die M9 meine erste digitale M. Meist arbeite ich mit dem phantatischen Apo-Summicron Asph. 75mm, 2.0 und Sucherlupe 1,4x. Ich bin heilfroh, dass es Leica geschafft hat, digitales “Vollformat” im traditionellen M-Gehäuse (weitgehend) zu realisieren. Noch vor wenigen Jahren galt dies ja für eine Messsuchercamera als technisch nahezu unmöglich(“Randstrahlenproblematik”…).

    Johannes

  12. Ich wollte hier noch mal was zu den Objektiven sagen. Also Leica like Objektive sind neu kaum zu bezahlen. Wenn man mit Leica fotografiert, geht es doch um Street und Available ligt Fotografie.
    Natürlich wäre da ein Set wie Summicron 50mm und 90mm, Noctilux 50mm, Summilux 35mm und 21mm für die M9 perfekt, um die beste Leica Ästetik rauszuholen.
    Allerdings würde ich sagen, dass das Summitar 50mm f2 aus den 40ern einfach nur super ist. Hat ein sehr gutes Preisleistungs Verhältnis. (Vorsicht man braucht einen Adapter Ring um normale Filter zu benutzen). Das Bokeh ist “Swirly”, entweder gefällts oder eben nicht (http://www.flickr.com/photos/discojapan/4090011100/in/set-72157623926313869/)
    f2 ist natürlich nicht das Gelbe vom Ei deswegen bevorzuge ich eigentlich das Summilux 50mm pre-asph. mit nem nd Filter kann man bei Sonnenlicht Personen auf der Strasse schon schön freistellen. (http://www.flickr.com/photos/discojapan/5032716573/in/set-72157623926313869/)
    Natürlich nicht so extrem wie mit dem Noctilux aber naja, kostet ja auch nur nen Bruchteil davon.
    Wenn es weitwinkelig werden soll, kann ich nur auf Zeiss zm Objektive verweisen. Sowohl füt 35mm als auch weitwinkliger. Ich benutze das Zeiss 25mm und kann nur sagen, dass dieses Objektiv für ein 25mm kaum Abbildungverzerrung aufweist.
    Auch wenn man für eine m9 gerne ein neues Leica Objektiv haben möchte, sollte man sich nicht limitieren mit einem Objektiv und andere Hersteller auch ins Auge nehmen.
    Ich fotografiere noch analog aber eine digitale RF wäre schon nett:-)
    viel Spass mit der Kamera und den vielen Möglichkeiten mit historischen Objektiven.

  13. interessanter und sympathisch geschriebener artikel. auch wenn ich leider erst einmal eine leica (m6) in der hand hatte – und nichtmal damit fotografiert habe – kann ich jetzt ein bisschen nachvollziehen, warum du die m9 liebst. ich würde es wahrscheinlich auch ;)