Melt! Festival 2008 Rückblick und Fotos

Melt! Festival 2008

Dieser Beitrag zum Melt! Festival 2008 ist ziemlich verdammt lange. Die Zusammenfassung: Wir fanden es toll und kommen im nächsten Jahr wieder.

Das Motto “3 Tage Wach” hatte ich anfangs noch belächelt – ich konnte ja nicht wissen, dass die Veranstalter es ernst meinten, und es vor allem auf sich selbst und die Security bezogen (doch dazu mehr am Ende unter “Kritik”).

Wenn man den Veranstaltungsort des Melt! Ferropolis zum ersten Mal betritt, fällt schon mal die Kinnlade runter. Die Kulisse mit den riesigen Baggern, die auf einer Insel im idylischen Baggersee liegt, ist atemberaubend. Setzt aber die Dämmerung ein, und die unzähligen Lichtinstallationen auf dem kompletten Gelände werden sichtbar, wird dem ganzen (Flair) die Krone aufgesetzt. Wahnsinn!

Gelände @ Melt Festival 2008

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Wir waren bereits Donnerstag angereist, ganz unkompliziert, ganz entspannt. Unser Platz, fast direkt am Baggersee war gut erreichbar, und nahe dem Weg zum Festivalgelände. Auch die Kurzzeitnachbarn waren in Ordnung – also alles paletti. Immerhin halfen sie uns bei einigen der vielen Regenschauer mit einem halbwegs trockenen Plätzchen unter ihren Pavillions aus.

Ich könnte hier noch etwas über die vielen Engländer schreiben, oder über Männer mit Neon Leggings, oder über die Arschlöcher, die nach und nach aus (oder vor) jedem unserer Zelte (und denen der Nachbarn) etwas geklaut haben, aber lassen wir das.

Am Freitag sind wir gegen 18:00 auf dem eigentlichen Festivalgelände angekommen, während wir uns einen Überblick über das Gelände machten, spielten Foto (gar nicht schlecht!) und der Ex-Metal Hammer Redakteur Markus Kavka durfte das Melt! mit Minimal-Sound auf der DJ Bühne eröffnen. Bewegen tut er sich dabei nicht, aber er ist eben ne coole Socke. Mit dem ersten gekühlten Bier in der Hand ging es zum ersten Act:

Lightspeed Champion

Lightspeed Champion, der leider auf einer fast leeren Hauptbühne spielen mußte, war scheinbar nicht gut drauf. Klar war das Konzert gut, aber Scherze, so wie damals in Berlin suchte man vergebens.

Late Of The Pier

Late of the Pier kannte ich bis eine Woche vorm Melt! gar nicht. Scheinbar war ich der einzige, denn das Zelt war ordentlich gefüllt. Die Band lies nix anbrennen, der Sound war gut, die Songs auch. Da kommt noch mehr, ganz sicher.

Blackmail

Die Koblenzer spielten im Melt! Klub, einer alten Halle (viel Charme, bescheidener Sound). Komischerweise war in der Halle noch ganz gut Platz. Blackmail ist eine Band, die schon von der ersten Platte kenne, und dementsprechend oft live gesehen habe, aber der Auftritt beim Melt! war trotz lustiger Spielchen mit dem Publikum “Bildet doch mal ein Kreuz”, nichts besonderes. Zu leise die Gitarre, zu schwammig der Sound – der Gesang wird ja generell bei Blackmail live leise gemischt.

Kate Nash

War ganz nett, hat mich aber nicht umgehauen. In etwa der Hälfte des Sets sind wir weiter nach hinten, Essen und Trinken. Im HIntergrund machte sich Frau Nash sehr gut.

dEUS

dEUS haben mich während des Konzertes irgendwie an Coldplay erinnert. Irgendwie passierte nicht so richtig etwas, aber trotzdem war es gut.

The Editors

Ganz unverhofft kam der Auftritt von The Editors. Ich konnte mit ihrer Musik bisher nicht so viel anfangen, doch ihre Präsenz, Performance und Songs waren Klasse. Wirklich sehr toll und eines meiner Melt! Highlights.

Keine Ahnung, wie spät es war, als die Editors fertig waren – danach sind wir jedenfalls mit einem Umweg von gefühlten 10 Kilometern zu unseren Autos – zum zweiten Mal Gepäck nachladen – und haben uns danach am Strand den Sonnenaufgang angesehen.

Superpunk

Superpunk sehen nicht aus wie eine coole Band – sind es aber. Ihre Songs, mit allerlei Zitaten aus den letzten 1000 Jahren Popmusik gespickt, passen grandios auf diese Festivalbühne. Die Leute tanzen, singen, und vergessen den Regen – der bis einige Minuten vorher noch für Unbehagen sorgte. Schöne Eröffnung des zweiten Tages.

Wir haben rechtzeitig gecheckt, dass “die schwarzen Wolken da hinten” noch etwas schwärzer waren, als die, die eh schon da waren, und sind gerade noch rechtzeit in die Intro Lounge und somit in Sicherheit. Dann Weltuntergang, riesen Regenschauer, Gewitter. Erstaunlicher Weise bekam man die Hauptbühne recht zügig wieder zur vollen Funktionalität hin und The Notwist konnten loslegen.

The Notwist

Die Weilheimer hatten richtig Pech. Als sie dann auf der Bühne standen, war die Stimmung etwas im Keller. Ich habe mich trotzdem gefreut, “Puzzle” mal wieder live zu hören. Nach gefühlten 5 Songs ging die Band von der Bühne, es waren aber wohl sieben oder so.

The Whitest Boy Alive, Rummelsnuff, Navel, Kakmaddafakka, Does It Offend You Yeah und Why?

Konnte ich mir allesamt nicht ansehen, weil sie im Melt! Klub gespielt haben, der völlig überlaufen war – keine Chance, mal eben rein zu gehen. Schade.

Stereo MCs

Die Herren sind nicht mehr die Jüngsten, aber ihr Sound kam Klasse an. Immerhin war der Boden nun wieder halbwegs trocken, und wenigstens die Sängerinnen sahen nicht so gespenstisch aus :)

Franz Ferdinand

Recht exklusiv war der Auftritt von Franz Ferdinand – und entsprechend voll war es hier erstmals vor der Hauptbühne. Zum Auftritt würde ich sagen: sauberes Handwerk, nicht mehr, und keinesfalls weniger.

Róisín Murphy

Molokos Frontfrau bot eine schicke Show auf der Hauptbühne, mit guter tanzbarer Musik und hatte Spaß daran, sich dauernd umzuziehen.

Uffie feat. Technotronic

Die Göre, die das Erbe von Peaches antreten soll, hat sich während der ersten 3 Songs (die Zeit, in der man bei Konzerten Fotografieren darf) hinterm DJ-Pult versteckt, und Bierchen getrunken. Sie ist eben voll anti und so. Aber hy, der Auftritt war cool, die gesammte Ed Banger Anhängerschaft hatte ne riesen Party – und selbst Mr. Oizo eierte im Fotograben halbtanzend rum.
Technotronic als Special Guest waren kinda cool – kinda nervig. Spätestens als er verkündete dass die “Haters” hier nix zu suchen hätten, und ne Minute später jemandem im Publikum in seinen Motherf*** Ass kicken wollte, wußte man, dass Technotronics Zeit zurecht schon lange abgelaufen ist.

Ende zweiter Abend – wieder unterwegs den Sonnenaufgang beobachten.

Der Sonntag war der zusätzliche Tag. Nur noch 2 Bühnen, insgesamt einige Beuscher weniger, dafür aber ein paar neue Gesichter, die sicher wegen Björk gekommen waren. Tagsüber gab es erstmals über längere Strecken Sonne. Dazwischen leider auch immer wieder Regen, Regen, Regen.

Get Well Soon

Konstantin Gropper ist seit dem Konzert im Gebäude 9 noch nicht zum Entertainer mutiert. Ein schüchternes “Danke, vielen Dank” muss genügen. Auch sonst hätte ich die Band gerne zur späten Stunde im Zelt oder im Klub gesehen. Get Well Soon und Tageslicht passt nicht.

The Battles

The Battles sind eine kleine All-Star Band, die extrem verkopfte Musik macht. Wieso sie bei so vielen Leuten tatsächlich gut ankamen, habe ich nicht gecheckt. Eingängig ist anders. Im Prinzip habe ich mir während des gesamten Sets vor allem das unglaubliche Schlagzeugspiel des Helmet Trommlers angesehen.

Hot Chip

Ich mag Hot Chip, aber keine Überraschung, ziemlich lustlos und trotzdem gute Stimmung im Publikum.

Björk

Irgendwie hatte ich vergessen, wie großartig die kleine Björk ist. Das, was da am Sonntag Abend auf der Bühne passierte, war etwas ganz Großes. Björk stand mit Orchester und ihren Elektronikern (Mark Bell!) an der Seite auf der Bühne. Die Show, das Outfit, alles nicht mein Geschmack – aber die Musik: einfach irre. Gänsehaut. Applaus. Ende.

Kritik zum Schluß

Wer sich im Forum des Melt! Festivals umsieht, wird derzeit mit einer Flut und Beiträgen erschlagen, die den Veranstalter über alle Maßen runter machen. Das ist traurig – wenn man sich vielleicht kurz überlegt, wieviele Stunden Arbeit die Vorbereitung und Durchführung eines Festivals dieser Größenordnung wohl in Anspruch nimmt. Doch der Unmut ist nicht ganz unberechtigt, und für das nächste Melt! hätte ich folgende Vorschläge:

Security: Während der 4,5 Tage auf dem Festival waren die einzigen agrressiven Menschen die Securitys (klar gab es freundliche Ausnahmen!). Die Nazi-Vorwürfe aus dem Forum möchte ich nicht bestätigen, links ausgerichtet waren die aber sicher nicht. Also beim nächsten Mal vorher prüfen, wer die Ordnung des Festivals gewähren soll, und ob er nichts selbst ein Chaos verursacht. Zudem jammerten alle, dass sie nicht geschlafen hätten… Ganz sicher nicht mein Problem.

Kommunikation: Es war schon phänomenal, dass der Veranstalter in keiner Weise mit den Besuchern während der Tage kommuniziert hat: keine aktuellen Zeiten, keine Änderungen, die Securitys hatten keine Ahnung, die Mitarbeiter am Akkreditierungsstand leider auch wenig. Kleine Displays an wichtigen Stellen hätten wichtige Änderungen anzeigen können – es wäre sicher kein großer Aufwand.

Kommunikation II: Wenn ihr im Vorhinein schreibt, dass der Campingplatz bis 13:00h verlassen werden solte, mich aber Securitys um 9:50h forsch anschreien, ich solle den Campingplatz bis 10:00h verlassen, sonst seinen sie angewiesen mein Zelt selbst abzubauen, dann ist das nicht witzig. Vor allem nicht, bei strömendem Regen und Sturm. Die Aussage, man könne dafür aber das Auto auf den Camping Platz holen, gab Hoffnung. Nach 15 Minuten Marsch Richtung Parkplatz, trafen wir leider wieder einen der Kahlköpfe an, der alle (die dieser Einladung nachkamen) anschrie, dass sie sofort wieder zurück fahren müssen – war lächerlich und das letzte was wir vom Festival mitnahmen. Das ist ärgerlich und gefährlich.

Dynamik: Es war abzusehen, dass Whitest Boy Alive und andere Bands, die für den Klub geplant waren, sehr viele Leute ziehen würden. Das Chaos, das dadurch ausbrach, dass der Zugang und Abgang zur Halle viel zu eng war, wieder einmal von völlig überforderten Securitys abgeriegelt wurde, und entsprechend von einer riesigen Menge an Besuchern frequentiert wurde, hätte man durch ein geschicktes Umlegen dieser Acts auf die Hauptbühne entzerren können.

Das sind sicher alles keine Punkte, die nicht beim Melt! 2009 zu lösen sind – wir kommen auf jeden Fall wieder!
Und für alle die bis hier her durchgehalten haben, noch einmal der Link zur Fotogalerie mit allen Fotos.

13 Kommentare (closed)

  1. Tolle Fotos! :)
    Kommt man bei dem Festival einfach so mit der DSLR aufs Gelände oder hast du nen Presseausweis oder sowas? Ich war dieses Jahr bei Rock am Ring und ich hätte mir auch gewünscht richtig Fotos machen zu können…

  2. Danke für den Bericht. Für das Wetter kann niemend etwas, aber das mit der Security ist schon heftig. Da hätte ich schon einen Anfall bekommen. Tolle Fotos! Muß ich mir heute Abend nochmal anschauen!

    Gruß Matthias

  3. Danke für die tollen Fotos! Schade, dass wir uns jetzt doch nich gesehen haben. Deine Kritik kann ich nur unterstreichen. Wobei ich mit den Securitys persönlich keine Problem hatte, es aber an allen Ecken gehört hab.
    Aber geile Fotos!

  4. Das Melt! Festival habe ich irgendwie verpasst. Danke also für den ausführlichen Bericht. Insbesondere die Fotos haben mich sehr begeistert. Beeindruckende Momente und Farben! Den Dreh hätte ich auch gerne raus…!
    Danke und Gruß Judith

  5. MELT Festival 2008 und ich habs verpasst!!! DAMN! Aber die Fotos sind geil!! Ich hau jetzt ab und gib mir den Obama. Gruß an alle

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  7. Kakkmaddafukka hättest du sehen können. Da war der Melt Klub noch angenehm gefüllt, von drinnen konnte man die Leute auf dem Sleepless Floor beobachten, wie sie mit Enten-Regenschirmen durch die Gegend getanzt sind und drinnen hatte man eine Superband samt toller Choreographie aus Bergen am Start : )

    Zum Thema Security – die haben uns gegen das Zelt gepinkelt. Fürs nächste Mal wünsche ich mir ein neues Team!

  8. da ging ja einiges an dem WE… melt! und nation of gondwana.. hab leider keins von beiden geschafft :(
    schöner beitrag.

  9. Navel waren die einzige Band, die dem 20 Jahre Sub Pop-Rummel annähernd die Kanne reichen konnten: laut, wild, in your face.
    so was lernt man nicht an der uni, leudde.

    ausserdem flogen Fledermäuse über die Bühne. yeah.

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