Print Galore ist nicht mehr, dafür über 800 Interviews jetzt online

galore

Ich fand das Konzept damals mutig: Ein Magazin, das entgegen des allgemeinen Trends zur Beschleunigung genau das Gegenteil macht. Galore nahm sich damals Zeit um lange Interviews zu führen. Und sie haben die Interviews (Gespräche) auch in voller Länge gedruckt. Ein Konzept, das zumindest sechs Jahre funktioniert hat.

Inzwischen dürfte die letzte Ausgabe der Galore aus den Kiosken verschwunden sein, das Print-Magazin Galore wurde eingestellt. Heute ging Galore.de online. Dort finden sich über 800 Interviews im Archiv – in voller Länge. Das Konzept des Magazins soll laut der Ankündigung des Herausgebers Michael Lohrmann auch weiterhin umgesetzt werden:

“Von nun an wird Ihnen auf diesem Portal an jedem Werktag ein neues, exklusives Interview in gewohnter GALORE Qualität präsentiert – zudem haben Sie Zugriff auf einen Großteil aller bisher von uns publizierten Gespräche.”

Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob dieses Vorhaben funktioniert.
So toll ich auch die Idee der ungekürzten und in Ruhe geführten Gespräche mag, so wenig nehme ich mir Zeit, lange Artikel online zu lesen. Ein Internetausdrucker war ich noch nie, das kommt also eher auch nicht in Frage.

Zudem fehlen mir bei dir Seite ein paar in 2009 wirklich nicht wegzudenkende “Features”. Zum einen gibt es keine Möglichkeit, die neuen Beiträge per RSS-Feed zu lesen (oder zumindest über ihr erscheinen informiert zu werden), zum anderen steht auf der Website zwar “… haben wir bei der Gestaltung der Seite großen Wert darauf gelegt, dass Sie die Interviews auch am Bildschirm gut lesen können…” – dem kann ich aber bei bei 100 Zeichen pro Zeile in 12px Serifenschrift nicht wirklich zustimmen. Zudem fehlt der Rückkanal, der mich als Leser in Form von Kommentaren an den Gesprächen teilhaben lässt. Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können, sicher.

Mich würde interessieren, wie das bei euch ist. Hier lesen sicher einige mit, die das Magazin vorher schon gelesen haben. Wird der Schritt zum Online-Magazin funktionieren können? Was würdet ihr erwarten? Und hat überhaupt jemand diesen längeren Text bis hierher gelesen?

galore.de

29 Kommentare (closed)

  1. Ich bin da auch sehr, sehr skeptisch – aus den gleichen Gründen wie Du. Das, was Galore als Zeitschrift so stark gemacht Zeit, (Ruhe, Entspannung, lange Gespräche), funktioniert online in der Form definitiv nicht, vielleicht auch grundsätzlich nicht.

  2. Bin der gleichen Meinung: Sowas geht nur als Print. Ich bin wohl doch kein Digital Native…

    Man muß es aber noch einmal erwähnen: Das weitaus großartigere Interview-Magazin war Alert (gut, das Warhol-Ding, das Alert ja auch als Vorbild nannte, hab ich nie erlebt) von Max Dax, nunmehr Spex-Chef. DAS waren lange, interessante Interviews mit interessanten Menschen. Und zwar sehr gute Interviews. Galore kam später raus und war mir daher als vermuteter Abklatsch (und dann auch noch aus dem Visions-Haus) suspekt. Habs trotzdem ein paar mal gelesen und für Zugfahrten war es dann doch sehr nett. Aber Alert… dem trauere ich immer noch hinterher.

    Eine Auswahl an Interviews von Max Dax gibts übrigens jetzt als Reclam. 30 Gespräche. Kann ich nur empfehlen, obwohl die Auswahl schon konventioneller ist als Alert wirklich war.

  3. Ich war ein Galore-Leser der ersten Stunde. Ich war sehr beeindruckt von der Idee, ein Interview-Magazin zu lesen. Ich kannte leider Alert nicht @Sören! Aber damals fand ich die Idee sehr gut und habe es auch öfters mal gekauft. Vor 6 Jahren war ich aber auch noch nicht so technisch versiert wie heute und habe mir öfters mal Mags gekauft. Jetzt mit meinem Mac (man beachte das Wortspiel!) sieht das ganz anders aus, wie Du schon erwähnt hast, Kai, im Zeitalter von RSS-Feed, Blogs und Twitter lese ich immer weniger Magazine. Nur manchmal um mir einen Kulturschock zu geben und die Zeit etwas anzuhalten! Da sind mir Monocle, die ich dank Johannes gefunden habe, Dwell, Page, Brand Eins und ab und zu ein Musik-Mag die Liebsten!
    Achja, kommentieren kann man. Ich denke, es gibt nur kaum welche bis jetzt! Aber die Schriftgröße geht gar nicht. Aber mit Hinblick auf Zitate, Recherchearbeiten finde ich die Idee, alle Interviews online zu stellen, recht gut, so als Archiv. Aber bei der Idee weiter neue Interviews online zu veröffentlichen, da bin ich auch etwas skeptisch.

  4. Ich habe GALORE ab der zweiten Ausgabe gelesen, hatte es lange abonniert (ja, ich war das…)und stets mit Genuss gelesen.

    Mit Skepsis verfolgt hatte ich es schon, als das Layout unlängst verändert wurde, auch Rezensionen hätte man sich sparen können. Ich hätte gerne noch hunderte weitere Interviews gelesen, dafür auch gerne mehr gezahlt, aber bitte auf Papier: Denn wo liest sich die neue GALORE besser als im Bett, in der Badewanne, auf dem sonnigen Balkon oder auf ner Parkbank? Mein Notebook nehme ich an all diese Stellen ungerne mit, es nervt, blendet oder es liest sich einfach nicht so entspannt. Ich habe GALORE auch archiviert, so dass man schnell mal ein älteres Interview ziehen konnte.

    So lieb ich das Format hatte und habe: Online wird nie so wie Print werden. Und wie soll sich das solide finanzieren?

    Schade, sehr schade…

  5. So, Galore war eine von wenigen Zeitschriften, die ich sehr regelmässig kaufte. Erst im letzten halben Jahr flaute das Interesse ab.

    Da gute Interviews in der Online-Welt wirklich rar sind, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Konzept aufgeht.

    Ein paar Punkte dazu:
    1. Ich habe keine Probleme damit lange Online-Texte zu lesen.
    2. Interviews interessieren mich sehr.
    3. Aber die Qualität in der Printausgabe ist schon irgendwie kontinuierlich schlechter geworden. Ich hoffe nicht, dass es einen Erdrutsch in Sachen Qualität geben wird, weil das Magazin nun nur online erscheint.
    4. Gerade die Interviews der Unbekannten haben mich immer mehr fasziniert als das, was Stars und Sternchen zu sagen haben. Der Allgemeingeschmacl der Online-Welt könnte aber in die andere Richtung tendieren. Hier werden sich die Macher was überlegen müssen.
    Dafür haben sie aber einen bekannten Namen, und viele potentiell treue Leser, die mit dem Namen etwas Gutes verbinden. Die Konkurrenz ist übersichtlich. Warum nicht, das könnte was werden!

    Und natürlich lesen wir so lange Texte, oder?

  6. Ich habe auch schon ganze Bücher am Bildschirm gelesen. Kann man schon machen, wenn der Text interessant genug ist und man genug Willenskraft hat ;)

  7. Ich bin ein grosser Galore-Fan, aber habe so meine Zweifel ob dieses Konzept auch im Modus 2.0 funktionieren kann. Die Interviews sind perfekt um sie gemütlich irgendwo zu lesen, aber ich denke, dass ich wirklich nur die interessantesten auch online komplett lesen werde. Und ohne RSS-Feed geht ja mal gar nicht…

  8. Ich finde das sehr schade, da die Galore eine der wenigen Zeitschriften war, die ich gerne im Zug gelesen hab bei langen Strecken. So hab ich auch Interviews mit Personen gelesen, die mich zunächst nicht so interessierte. Im Internet lese ich selektiver, also werde ich wohl weniger Galore-Interviews lesen und mir fehlt die Lektüre in der Bahn jetzt schon irgendwie.

  9. Pingback: 800+ Galore Interviews online « Volker Racho und Isolde Maduschen

  10. Ich finde es genial, wenn man mal die Blogs der Kommentar-Schreiber durchstöbert. Zu jedem Thema, das Kai hier präsentiert, findet man eine andere Auswahl an Themen mit denen sich die Kommentartoren-Blogs beschäftigen, ich liebe das Web, danke Kai!

  11. Oh, ich mag Galore schon auch, aber ich hatte selten die Muße, wirklich viele der Interviews in einem Heft zu lesen. Eigentlich ne klassische Klolektüre, oder? Vielleicht wird die Online-Ausgabe ja ein Renner, wenn diese Digital-Reader-Dinger richtig populär werden. Oder falls. Die Typographie find ich auch grottig für die Mengenlektüre. Tsss.

  12. Pingback: Galore: Archiv aus 800 Interviews online | Nerdcore

  13. @kai: Aber hier kommt so viel zusammen, der Austausch ist grandios! Du bist ein großer Teil vom Web! (zumindest von unserem Web!) ;-)

  14. Galore hat mir bis jetzt nichts gesagt und nachdem ich ein paar Interviews gelesen habe, leide ich ehrlich gesagt nicht unter dem Gefühl sonderlich viel verpasst zu haben.
    Ich hatte mich eigentlich auf ungewöhnliche und interessante Fragen und die dementsprechenden Antworten gefreut. Für mich liest es sich meistens wie jene Interviews, die anlässlich der neuen Platte, Film, etc. zu Hauf runtergekurbelt werden.
    Werde aber noch ein paar Gespräche mit Personen lesen, die bei mir nicht so im Fokus stehen. Vielleicht liegts nur an dem Gefühl nix neues erfahren zu haben.

  15. Pingback: Interviews galore — kazam

  16. @Oliver: kleine Buchstaben sind anstrengender zu lesen -> man verliert schneller die lust oder -> wird schneller müde und die Augen fallen zu! (oder man bekommt Kopfschmerzen, gerade vor dem Rechner!)

  17. naja, die Druckfunktion funktioniert auch nur für die jeweilige Seite. Punktabzug.

  18. Mir fehlt bei der Online-Ausgabe vor allem ein “alles lesen”-Button, damit ich nicht immer weiterklicken muss. Gerade auch, weil ich “readability” nutze…

  19. Ich habe mir heute das ein oder andere Interview durchgelesen. Die Interviewlänge (oder besser gesagt die Textlänge) ist für mich gerade an der Grenze dessen, was ich mir am Stück auf dem Bildschirm zumute. Außerdem sind die Interviews nun geordneter als noch im Magazin. Natürlich ist es schön ein “Heft” in den Händen halten zu können, aber die Interviews verlieren durch die neue Form nichts an Wert. Außerdem war das Magazin mit fast 7 Euronen, wie ich gerade feststellen musste, nicht gerade günstig. Wenn die Interviews weiterhin so interessant bleiben, halte ich die Seite auf jeden Fall für eine Bereicherung in den unendlichen Weiten des Spiderwebs.

  20. Also ich habe kein Problem damit auch längere Texte am Bildschirm zu lesen. Und die Kritik an der Schriftgröße ist mir ein Rätsel – jeder Browser ermöglicht es, den Text von der Größe her zu verändern.
    Ich find’s super. Auch weil das Heft nicht gerade günstig war und ich daher allzu oft gezögert habe es zu kaufen.

  21. Nun muss ich leider eingestehen dass ich Galore bis zu diesem Beitrag nicht kannte. Aber was ich bisher gesehen habe macht einen interessanten Eindruck. Wobei ich sagen muss das mir eine gedruckte Ausgabe sicher besser gefallen würde, allein schon vom Feeling beim lesen.

  22. Pingback: ipony » Blog Archiv » Die Galore ist tot, es lebe die Galore!

  23. Pingback: Protokoll vom 11. Juli 2009beiTrackback