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Ich habe in den letzten Tagen sicherlich 50 Artikel gelesen überflogen, die sich zur re:publica äußern. Viele Artikel von Leuten, die nicht einmal da waren, viele Artikel von Leuten, die im sicheren Schutze ihres Monitors heftigste Kritik üben, aber wahrscheinlich nicht einmal in der Lage sind, eine Party zu organisieren, auf der es gute Musik und kaltes Bier gibt. Es gab auch einige Beiträge die sachlich Vorschläge zur Verbesserung eines Events wie der re:publica gemacht haben, aber leider waren das bisher Ausnahmen.

Der allgemeine Tenor ist der, dass sich die Veranstalter weder richtig um die Organisation gekümmert haben (richtig: nicht funktionierendes WLAN, und das Fehlen eines Barrierenfreien Zugangs für körperlich eingeschränkte Menschen ist durchaus schwer nachzuvollziehen), bei der Auswahl der Sprecher sowie den Themen absolut daneben gefriffen haben, und sich ausschließlich selbst feiern.

Nun muß ich zugeben, dass ich Johnny Haeusler schätze. Mit den weiteren Organisatoren habe ich noch nie ein Wort gewechselt, mit Johnny schon. Johnny ist so ein Typ, von dem ich zu wissen glaube, dass er das was er macht liebt. Ein Fanboy, der weil er etwas erreichen will, auch mal über das Ziel hinausschiesst - also genau mein Geschmack.

Dass die Veranstalter nun dermaßen eins übergebraten bekommen, ist erbärmlich.

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Es ist überall zu lesen, dass die “Blogosphere”, die “Twitterer” und “Web2.0 Junkies” nur selbstreferentiell unterwegs waren - meine Lieben, das war in Deutschland noch nie anders! Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich es überhaupt nicht mag, wenn man mich innerhalb der Blogosphere ansiedelt. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich mit vielen Bloggern in den Deutschen Blogcharts Überschneidungspunkte habe. Ja, und so kommt es, dass ich auch auf der re:publica mit den meisten Leuten nicht gerade stundenlang reden kann/will.

Doch, und genau das ist der Grund, warum ich in 2008 da war, in diesem Jahr da war, und auch in 2010 wieder kommen werde: Unter diesen 1500 Besuchern sind so einige Menschen, mit denen ich mich nicht nur eine Stunde, sondern weitaus länger unterhalten kann. Ich habe beeindruckenden Vorträge gesehen, ich habe mich wieder tierisch aufgeregt, als ich mit “Blogs in Deutschland” angesehen habe, ich habe interessante Ansätze gesehen, die nicht zu Ende gedacht wurden, und vielleicht auch gar nicht dort zu Ende gedacht werden sollten. Und genau das mochte ich an der Veranstaltung.

Es liegt in der Natur der Sache, dass auf solchen Events viele Luftpumpen auflaufen. Aber guess what? Man kann sich dort ganz wunderbar aussuchen, mit wem man sich unterhält, wessen Beiträge man sich anhören möchte, und man kann sich dort auch einfach mal auf etwas neues einlassen. Das ist mindestens so einfach, wie in 140 Zeichen zu meckern.

Nun beschweren sich einige, man müssen sich wieder zusammenschliessen, mehr Social-Media Engagement (noch mehr?) solle es geben, sonst droht eine Krise. Die Krise würde dann daraus bestehen, dass Trends nicht wahrgenommen werden würden. Bitte? Und ich dachte immer Trends entstehen, wenn etwas auftaucht, das von alleine funktioniert, weil es das Bedürfnis vieler stillt - auch wenn sie davon vorher nicht wussten.

Ihr wollt drüber reden, ihr wollt planen, aber macht doch um Himmels Willen einfach mal! Glaubt ihr ernsthaft, dass Biz Stone jahrelang gebrütet hat, bis er euer liebstes Kommunikationstool ins Netzt gestellt hat? Ich denke nicht.

Übrigens, Twitter ging auch mir bei der re:publica die meiste Zeit auf die Nerven.

Meine Verbesserungsvorschläge werde ich direkt an die Veranstalter weiterreichen, aber sage hier schonmal danke, dass ihr diese Veranstaltung macht. Die re:publica ist wichtig, sie ist nicht perfekt, und wird es hoffentlich auch nie.

Update

Johnny beschreibt auf Spreeblick seine Sicht. Sollte man lesen.

Über den Autor

Kai Müller {stylespion.de}

Herausgeber StyleSpion.de. Steht auf schöne Sachen, twittert, liebt Musik und die Fotografie.

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