Simpler ist besser

simpler ist besser

Mal wieder so ein Thema, das mich schon länger beschäftigt. Ab und an fragt mich jemand, wie ich ein Foto so bearbeitet habe, dass es so aussieht, wie es aussieht. In der Regel antworte ich darauf, dass ich nur kleinere Anpassungen am Original vorgenommen habe. Kontraste, in Graustufen umwandeln, oder mit der Teiltonung etwas nachgeholfen. Keine große Sache, denn: das Foto ist ja nicht am Computer entstanden, sondern an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Tageszeit, mit einem bestimmten Licht. Man kann vieles digital vorschwindeln, oder man versucht, die gegenebenen Umstände für das Ziel zu nutzen, und nicht im Nachhinein dagegen anzugehen.

Wer um 23:00 Uhr ein Foto macht, und dabei so lange belichtet, bis alles auf dem Foto taghell ist, der hat entweder etwas kluges im Sinn, oder schlicht nicht verstanden, dass es nachts dunkel ist. Klingt lustig, ist aber eigentlich traurig. Auch wunderbar: Konzertfotos, die aussehen, als stünde die Band gerade im Fotostudio, perfekt belichtet, keine dunklen Parts… Keine Ahnung welche Konzerte ihr so besucht, aber bei meinen Konzertbesuchen ist es eigentlich immer verdammt dunkel. Nur natürlich, dass Fotos das auch wiederspiegeln, oder?

In einem Interview zu Sonic Iceland wurde ich gerade gefragt, wie ich es hinbekomme, dass es auf meinen Fotos so wirkt, als wäre ich sehr nah dran gewesen. Ich habe kurz überlegt. Hm, nah ran gehen?

Keine Sorge, ich denke absolut genau so kompliziert. Die einfachsten, offensichtlichsten Dinge sind die, die mir als letzte oder nie in den Sinn kommen. Nochmals das Beispiel Sonic Iceland. Statt mich über Monate mit eventuellen Sponsoren herumzuschlagen, hätten wir gleich die Leute um Unterstützung bitten können, die ein solches Projekt wirklich unterstützen wollen. Diejenigen, die verstehen, warum es eine coole Sache ist. Am Ende hatten wir nicht nur wenig Geld für das Projekt, sondern, und das ist das Gravierende: sehr viel Zeit verloren und ich dadurch auch fehlende Einnahmen. Aber die Idee mit den Postkarten hat uns den Allerwertesten gerettet.

Manchmal hilft viel eben doch nicht viel, sondern nur wenig. Manchmal ist simpler besser. Ganz schön kompliziert.

Inspiriert durch diesen neuen, und diesen älteren Post.

6 Kommentare (closed)

  1. sehr lustig zu lesen, aber natürlich nur zu wahr. Der Schritt vom knipsen zum Fotografieren geht auch immer nur über viel probieren und sich mit seiner Kamera zu beschäftigen!

  2. >>…wie ich es hinbekomme, dass es auf meinen Fotos so wirkt, als wäre ich sehr nah dran gewesen. Ich habe kurz überlegt. Hm, nah ran gehen?<<

    Da musste ich laut lachen. Sehr gute Antwort.

    LG, Sven

  3. Wie wahr, wie wahr! Ich kenne das auf Konzerten auch. “Deine Bilder sind immer so dunkel, mach die doch mal heller”… Super! :)