Ich habe es bisher immer so gehalten, dass ich die Reißleine ziehe, wenn ich das Gefühl habe, der Spaß an meiner Arbeit hat nachgelassen. Hier ist sie also wieder, die kleine für mich notwendige Pause. Ganz so wortlos möchte ich aber nicht in die Stille verschwinden, ich versuche mal kurz den aktuellen Stand zu skizzieren, und dann kommt ihr ins Spiel.

StyleSpion.de hat derzeit etwa 12000 RSS-Feed Abonennten, in den letzten 30 Tagen haben 190000 Menschen 494000 Seitenaufrufe verursacht. StyleSpion.de steht in allen möglichen Charts ganz gut da, und es könnte wohl kaum besser laufen. Nerdcore, Spreeblick und auch StyleSpion haben Besucherzahlen, die so einigen bekannten Magazinen das ein oder andere Fragezeichen auf die Stirn werfen könnten.

Dieser “Erfolg” öffnet mir viele Türen. PR Agenturen, Brands und Labels klopfen täglich an. Die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit scheinen endlos, und vor allem scheinen sie in ihrer Quantität unbegrenzt. Selbst an einem durchschnittlichen Tag warten jederzeit ungelesene Mails auf meine Aufmerksamkeit. Immer.

Der Paketbote klingelt täglich. Bücher, CDs und andere Sachen stapeln sich in meinem kleinen Büro und warten darauf, Aufmerksamkeit in Form eines Beitrages hier zu bekommen.

Anfragen von Werbetreibenden gehen schlicht und einfach unter, weil für mich der Content immer vor dem “Business” kommt. Wenige Stunden später ist die Anfrage im Posteingang nach unten gerutscht und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich sie nie beantworten werde.
Selbiges gilt für Mails von Lesern, die entweder Vorschläge für Beiträge, Links, oder Fragen enthalten.

In der letzten Woche haben mir die Gewinnspiele den Rest gegeben. Zunächst mussten meine Anfragen an die Sponsoren raus, danach folgte in einigen Mails die Abstimmung. Die Gewinnspiele schlugen ordentlich ein, an fünf Tagen kamen 1104 Kommentare zustande. Ich moderiere übrigens alle Kommentare… Nach Ablauf der Gewinnspiele mussten die Gewinner gezogen werden, die Kooperationspartner und die Gewinner benachrichtigt werden.

Um es kurz zu machen: letzte Woche blieb dadurch fast alles liegen, was mich sonst schon so auf Trab hält.

Nicht gerade wenig Zeit verschlingt auch das Filtern der Beiträge anderer Blogs. Ich verfolge ca 700 Blogs im Reader. Täglich.

Das Feedback zu der Idee, ein Buch über die Fotografie für Einsteiger aus meiner eigenen Sicht zu schreiben, war grandios. Mir wurde viel Hilfe angeboten, ich muss eigentlich nur zuschlagen. Was mir fehlt, ist die Zeit, aus dem Feedback ein Konzept zu basteln. Ohne sinnvolles Konzept kann an der Idee nicht weitergearbeitet werden.

Meine liebste Frage, die ich oft zu hören bekomme ist: “Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?” – Und um ganz ehrlich zu sein, meistens kann ich das nicht beantworten.

So, um auf den Punkt zu kommen: Da muss viel mehr Struktur rein. Wer es bis hier her geschafft hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass in der Auflistung der Punkt “Beiträge schreiben” noch nicht einmal vorkam. Bekloppt, oder?

Die nächsten, unbedingt notwendigen, Schritte muss ich in Ruhe überlegen. Das geht nur, wenn ich nicht ständig im Hinterkopf habe, dass ich heute noch keinen Beitrag veröffentlicht habe. Deshalb mache ich ein paar Tage Pause. Den Spaß an der Sache wieder finden, wieder nen klaren Blick bekommen, mich mit Menschen austauschen usw.

Ihr könnt mich gerne unterstützen

Beim Tippen der Absätze weiter oben ist mir wieder bewusst geworden, dass ich schon längst die Arbeit einer ganzen Redaktion mache. Hinzu kommt, dass ich mich auch um Marketing und Technik selbst kümmere. Teile davon werde ich abgeben müssen. Welche das genau sind, weiß ich noch nicht.

Gastautoren

Denkt nicht, dass ich die Idee der Leserbeiträge vergessen habe. Ganz im Gegenteil. Es fehlen nach wie vor die technischen Voraussetzungen dafür. Bis dahin möchte ich gerne allen Interessierten anbieten, hier Beiträge veröffentliche zu können. Ganz besonders im Bereich Inneneinrichtung/Möbel/DIY wünsche ich mir jemanden, der mich unterstützt. Auch interessant sind die Themen Design und Grafikdesign, Kulturelles und Nachhaltigkeit.

Solltest du dich angesprochen fühlen, freue ich mich auf eine Mail mit ein paar Sätzen und Ideen von dir.

Vermarktung

Ich suche noch immer nach einer Agentur, die in der Lage ist, für mich die Abwicklung der Werbeanfragen und Buchung der Banner zu übernehmen. Ich habe schon einige Gespräche geführt, hatte bisher aber immer Zweifel, ob der Partner wirklich versteht, welche Anforderungen bei Blogs auf ihn warten. Sachdienliche Hinweise nehme ich gerne an. :)

Organisation

Der am meisten Zeit fressende Punkt ist der Kram, den niemand außer mir sieht. Das Filtern und Beantworten der Mails. Vorbereitungen für kommenden Beiträge (Bestes Beispiel: 15 + 1 Fragen. Ich habe unzählige ausstehende Kandidaten für die Serie, auch hier muss immer und immer wieder nachgehakt werden.), Freiraum für ganz neue Projekte.

In diesem Punkt kann mir wahrscheinlich niemand helfen, außer er hat einen guten Vorschlag, wie ich den Aufwand systematisch reduzieren kann.

Und jetzt ihr so

Ich freue mich über eure Kommentare, gerne aber auch per Mail (info ät). Bitte bitte nutzt die Betreffzeile, um das Thema anzureißen.

P.S. Danke und ja, mir geht es gut. Und das soll auch so bleiben :)

UPDATE

Soooo. Danke für die vielen Mails und auch danke für die Kommentare (auch die kritischen). Ich lag die letzten beiden Tage flach, das hatte ich zwar kommen sehen, aber egal.

Ich habe mir inzwischen meinen Beitrag selbst noch ein paar mal durchgelesen, und muss zugeben, dass er verdammt naiv war. Die Idee, allen die es interessiert, einen Einlick hinter die Kulissen zu geben, ging teilweise nach hinten los. Ich habe verstanden, dass diese Transparenz als Arroganz oder Egopinseln verstanden werden kann. Wer mich ein wenig kennt, weiß wie sehr mich genau dieser Vorwurf trifft.

Ich habe auch verstanden, dass ich manches nicht mehr so handhaben kann, wie ich das bisher gemacht habe. Ich muss, auch um mich selbst ein wenig zu schützen, künftig ein bisschen mehr darauf achten, was und wie ich es kommuniziere.

Ebenfalls habe ich die bittere Gewissheit, dass es viele schlicht und einfach nicht interessiert, welche Probleme auftauchen können. Sie wollen sich bedienen, erwarten ein Angebot. Erhalten sie dies nicht so, wie es nach ihren eigenen Vorstellungen sein müsste, wird mit “dann lese ich dich nicht mehr” gedroht. Sei’s drum.

Dem kritischen Feedback gegenüber stehen viele positive Kommentare. Und viele Mails von Leuten, die mir ihre Unterstützung anbieten. In den nächsten Wochen wird sich herausstellen, was davon umgesetzt werden kann, und was (noch) nicht.

Wahrscheinlich werde ich dann Leser verlieren, aber genau wie bei den Beiträgen hier, ging es mir noch nie um Quantität. Die im Beitrag gelisteten Zahlen sollten zur Verdeutlichung dienen, nicht zum Schwanzvergleich. Einige Kommentare erwähnten etwas von wegen “nicht aufhören” – daran hatte ich beim Tippen keine Sekunde gedacht.

Was ich zu verdeutlichen versucht habe, ist, dass es neben all dem Spaß den man hat, wenn man ein Blog betreibt, auch Probleme gibt, denen man sich stellen muss.
Da ich kein Profi bin, vor der Registrierung dieser Domain noch nie etwas online publiziert habe, noch nie in der Vermarktung gearbeitet habe, oder Erfahrung in einer Redaktion gesammelt habe, ist es wohl klar, dass ich immer wieder stolpere. Für mich macht das den Reiz aus. Es zuzugeben, ist eine andere Sache.

Ich beobachte mit ein wenig Sorge, dass im letzten Jahr viele Blogs aufgetaucht sind, die im Auftrag größerer Verlage geschrieben werden, oder von Agenturen betrieben werden, deren primäres Ziel es ist, eine weitere Fläche im Internet zu schaffen, auf denen sie die Werbebanner ihrer Kunden platzieren können. Auch da gibt es positive Ausnahmen, sicher.

Insgeheim hoffe ich aber, dass Blogs wie Amy & Pink, I Heart Pluto, Feingut, White Tapes, Kwerfeldein, Stilpir.at, iGNANT, handmade 2.0 oder kopfbunt (und all die anderen) weiterhin Gas geben und dadurch wachsen werden, um auch in Zukunft unabhängige Blogs/Websites zu haben, hinter denen echte Personen mit unabhängigen Meinungen stehen. Wenn hinter diesen Blogs auch Leser stehen, die die Betreiber dabei unterstützen, entsteht ein unschlagbares Team.

Wie das aussehen könnte, wird sich herausstellen. Ich bleibe jedenfalls dran.

Amen.

Über den Autor

Kai Müller {stylespion.de}

Herausgeber StyleSpion.de. Steht auf schöne Sachen, twittert, liebt Musik und die Fotografie.

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