Times Like These

“Liebes StyleSpion Team” war früher ein Garant dafür, dass ich eine eingehende Mail bereits nach drei Worten gehasst habe. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass sich Leute nicht einmal die Zeit dafür nehmen, um herauszufinden, wen sie da gerade anschreiben. Die naive Wut ist inzwischen gewichen, und hat gleich noch ein paar andere Illusionen mitgenommen.

Gestern habe ich ein Gewinnspiel gestartet, nichts allzu ungewöhnliches, und trotzdem konnte ich während des Tatorts meine Gedanken nicht davon ablassen. Bis heute Mittag haben über 400 Leute an diesem Gewinnspiel teilgenommen. In 20 Stunden 400 Menschen. 400 Kommentare.

Gestern ging ein neues Werbebanner online. Eine renommierte Marke wollte unbedingt auf meiner Seite Werbung buchen, andere stehen in der Warteschlange.

Anfang Januar habe ich das bereits dritte Angebot einer TV-Produktions Firma abgelehnt, die mit mir StyleSpion Richtung TV bringen wollten.

Größere (Print-!) Magazine enthielten in den letzten Wochen Artikel, die über meine Website berichteten.

Auf dem Designcamp wurde ich als “Promi-Blogger” und “A-Blogger” beschimpft betitelt.

Bei mir gingen unzählige Kooperationsanfragen ein, bisher bin ich keine einzige eingegangen.

Ich habe in den letzten Monaten einige Anfragen großer Marken abgelehnt, die redaktionelle Beiträge für gutes Geld kaufen wollten.

Letzten Montag war ein Artikel von mir (und irgendwie auch über mich) in der SZ abgedruckt.

Ich bekomme täglich Mails von Leuten, deren Name ich noch nie gehört habe, die sich “einfach mal bedanken” wollen, weil sie meine Internetseite mögen.

Ich lese im Moment täglich etwa 700 RSS-Feeds.

Etwa 7500 Menschen lesen “meinen” RSS-Feed. Im Januar wurden laut Statistik knapp über 400 000 Seiten aufgerufen.

Ich fühle mich nach wie vor nicht wirklich einer deutschen Blogosphäre zugehörig.

Ich erhalte täglich zwischen 20 und 30 Vorschläge zu Artikeln über das Formular.

Wildfremde Menschen schreiben mich an, und wünschen sich eine “kleine” Beratung dazu, wie sie ihre Wohnung einrichten sollen.

Plattenfirmen schicken mir CDs oder Digitale Hörproben oft schlechter und manchmal sehr guter Bands.

Selbst meine Oasis Karte habe ich nicht bezahlen müssen.

Ich bekomme Einladungen zu Veranstaltungen, auf denen ich mich so wohl fühlen würde, wie meine Eltern auf einem Kreator Konzert.

Ich frage mich ständig, ab wann die Glaubwürdigkeit futsch ist.

Neue Ideen bekommen nicht genügend Zeit ab.

Ich verärgere Leute, weil ich es nicht schaffe, alle eingehenden Mails zu beantworten.

Ich verbringe höchstens 10 Prozent meines “Arbeitstages” mit dem Schreiben von neuen Beiträgen.

Und all das ist irgendwo zwischen absurd, großartig und kaum zu verstehen, dass ich das hier einfach mal hinschreiben musste.

OK, der Foo Fighters Song oben ist albern, wie wahrscheinlich der gesamte Beitrag, aber manchmal muss man einfach.

55 Kommentare (closed)

  1. großartig. wundert mich sowieso wie du das machst; mir ists als schon zuviel, alle kommentare hier als blogleser durchzulesen :)

    und zu diesem beitrag: grad diese transparenz machts hier doch sympatisch, @kai brach; ich denke viele wollen hinter die kulissen sehen, so gehts mir zumindest – also ich versteh den artikel nicht als “masse der arbeits”-ausruf ;)

    ach und ich habe grad nachgeforscht. auch ich war vor urzeiten einer derer, die das “style-team” angeschrieben haben harhar.

  2. Liebes Stylespion-Team,

    ich finde euren Blog superklasse, bitte macht weiter so!!! ;)

    Im Ernst: Ich find deinen Blog wirklich super. Wahnsinn, was man so als einzelner Blogger an Aufmerksamkeit erzielen kann. Da kann man echt nur neidisch sein. *g*

    Mich würd es ja hammermäßig interessieren, was das denn genau für Anfragen waren bezüglich TV.

    Gruß aus der Nachbarschaft (Neu-Ehrenfeld)

  3. Ich finde das toll und mutig! Gratulation… Ich denke, sowas kann sich nur entwicklen, wenn man das macht, wozu man Bock hat, wenn man über das schreiben kann, was einem gefällt – eben, wenn man sich nicht verstellen und sich nicht zu etwas zwingen muss! das ist wirklich verdient…
    Mich würde ja tierisch interessieren, wieviel du verdienst, und wieviel Stunden deine Gedanken am Tag im Blog hängen und ob es dich auch teilweise nervt, aber ich erwarte mir an dieser Stelle nicht wirklich eine Antwort :-)

    Weiter so!

  4. Ist doch super – Glückwunsch! Danke für den Lese-Tipp an meine Kollegin Jana und das “liebe StyleSpion-Team” muss es jetzt mit einem weiteren Leser aufnehmen, ich freue mich schon!

    (Frage mich nur, wie Du das mit den 700 Feeds pro Tag schaffst, ich werde jetzt erst einmal ausgiebigst Zeit für diesen einen benötigen…)

  5. Hey, krasser Scheiß. Ich glaub ich würd auch mal kurz innehalten und überlegen -wat?-. Aber du machst das schon. Bleib dir einfach treu. Hat bis hierhin geklappt. Wird auch weiterhin klappen. Lass dich nicht verrückt machen. Ums mit Lorys worten zu sagen: “Just keep swimming, just keep swimmubg!”