Traumjob

Nach zwei Kaffee, einem Wasser und zwei Stunden Austausch bin ich heute mit einem Auftrag in der Tasche zurück ins Büro gegangen. Kein riesiges Projekt, aber ein spannendes. Die Auftraggeberin: eine Dame, die viele Jahre viele unterschiedliche Tätigkeiten irgendwo zwischen Kuration, Organisation, Marketing, Künstlervermittlung und zwanzig anderen im Bereich der modernen und urbanen Kunst national und international ausgeübt hat. Mit diesem Background startet sie nun unter eigener Flagge durch. Sie weiß genau, was sie will, aber das macht sie nicht gleich zur Traumkundin. Was Sie zur Traumkundin für meinen Traumjob befördert: sie hat mir nicht nur zugehört, sondern meine Vorschläge dankend angenommen. Das muss ich als sehr clever darstellen, denn es ist keineswegs selbstverständlich, auch wenn man das meinen könnte.

Wir haben einen gemeinsamen Nenner, was unsere Berufserfahrung anbetrifft: wir sind beide keiner geraden Linie gefolgt – das war eher ein Wollknäuel. In unserer “Karriere” (das ist eigentlich kein schlimmes Wort und sollte nicht in Anführungszeichen stehen) haben sich so viele Bereiche vermischt, dass man sich am Ende fragt, ob das nicht zu viel ist? Kann ich das noch verkaufen? Wäre es nicht einfacher, wenn ich sagen könnte “Hallo, mein Name ist Kai und ich bin (Beruf deiner Wahl einsetzen)“? Ja, manchmal wäre es das.
Webdesign, Webentwicklung, Bloggen, SEO, Fotografieren, Schreiben und dann noch die jahrelange Erfahrung durch das Betreiben dieser Seite hier und der anderen Projekte. Kriegt man das unter einen Hut? Ich habe darüber in den letzten Wochen viel nachgedacht.

Hell Yeah, klar kann ich das verkaufen! Ich habe es heute wieder getan und es macht absolut Sinn. Auch für diese Kundin.
Ich habe nie einen Bereich ganz aufgegeben, wenn ein neues Themenfeld hinzu kam. Neue Interessen erweitern den Horizont und vermeiden, dass man bequem oder gar betriebsblind wird. Anstatt das in Frage zu stellen, sollte ich es auch genau so verkaufen. Es ist etwas Positives. Ich habe einen Traumjob – ich kann ihn auf Parties nur nicht mit einem einzigen Wort beschreiben.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mit dem neuen Projekt beginnen.

Falls dieser Beitrag etwas zu euphorisch klingen sollte: das war Absicht.

26 Kommentare (closed)

  1. Viele Interessen sind doch wichtig und gut! Und wenn du sie alle (die meisten) in deinem Beruf verwirklichen kannst, dann hast du es geschafft!

    Viel Spaß

  2. Noch vor ein paar Jahren wäre es mir peinlich gewesen, aber heute würde ich einfach sagen, daß ich “Webmaster” bin – deckt ja viele Fähigkeiten ab – und das mein Traumjob ist.

  3. ich bin seit etwa 12 jahren im grafischen geschäft und kann an einer hand meine “traumjobs” abzählen. meist war zeit der größte kreative killer, dicht gefolgt von den “glasklaren” vorstellungen eines kunden, die du ja in diesem falle nicht hast.

    aber was mir immer wieder auffällt – ich habe keine ahnung, was ich z.b. tante erna sagen soll, wenn ich sagen soll, wat aus dem jung geworden ist und welchen beruf ich nun ausübe: art director – hä? kennt kein normaler mensch. grafiker ist zu wenig und selbst ad wäre den vielen tätigkeiten entsprechend nicht ausreichend. gottseidank arbeite ich in einer agentur, bin angestellt und muss mich derzeit nicht selbst verkaufen. so sage ich immer, ich sei ein ganz normaler angestellter in einer werbeagentur. und ich stimme dir voll und ganz zu – ich sammel alles im kopf, egal ob wichtig oder nicht – irgendwann braucht man es mal. is wie mit ner alten schraubenkiste…

  4. Klingt spannend! Viel Erfolg!

    (Und ja: Mixturen sind immer von Vorteil; ich bin froh mal Kaufmann, mal Bettendesigner und mal Paperboy gewesen zu sein; ….Fuck, das ist ja schon Job Nummer sieben hier; und ich bin nich ma 30! ;)

  5. Finde gerade so ein “Wollknäuel” wie du es nennst viel interessanter!
    Außerdem sorgt das fpr Gesprächstoff auf Partys, viel viel besser als nur “Ich bin….” :)

  6. Ob das wohl mit deinem Twitter-Angebot gestern zusammenhängt? ;) Herzlichen Glückwunsch, ich wünschte, ich wäre auch schon so weit…

  7. Ich bemerke in meiner täglichen Arbeit leider aktuell das Gegenteil: Man hört mir nicht zu, vor allem wohl weil ich “nur” ein Diplom in Informatik hab. Dass ich mich 1000 Mal besser mit Themen wie Usability und Interface-Design auskenne, als die Print-Grafiker – auf die gehört wird – geht da leider unter.

    Daher freue ich mich für dich. Erfahrung zählt. Schön, dass es erkannt wurde.

  8. Das ist ja das Schöne an der Selbständigkeit.
    Die Kreatikjobs verlaufen ja meist fließend untereinander, man kann auch was in die Richtung machen und mal was in die andere.. Du musst natürlich (vermutlich) auch Sachen machen, auf die Du nicht so’n Bock hast, aber letztlich kannst Du tun, worauf Du Bock hast.

    Ich befinde mich auch in der glücklichen Lage, einen Teil meines Lebens mit solcher Art von Arbeit zu finanzieren. Und es macht Spaß (mal abgesehen von den Dingen, die alle abnerven, wenn man etwas für andere gestaltet) weil in meinen Jobs immer wieder die Abwechslung Oberhand behält.

    Schöner Artikel!

    M.

  9. Wenn ich deinen Artikel so lese, treibt es mir ein klein wenig die Tränen in die Augen. Warum ? Weil ich finde, dass Menschen wie Du irgendwie einen sau geilen Job haben.

    Nicht nur wg. der Selbstständigkeit, sondern eher wg. der Abwechslung.

  10. Hallo Zusammen!

    Ich bin die “Kundin” und war total überrascht den Artikel zu lesen!

    Denn Artikel und die Kommentare sind großartig – das hat mir bewusst gemacht, dass ich mit meinem Skills-Mix nicht alleine dastehe und dass sich auch andere mit der Frage rumschlagen ob man die Leistungen, die man nicht auf dem Papier, sondern an erfolgreichen Projekten nachweisen kann auch anbieten darf. Ist unsere Generation schizophren?
    Einerseits führen wir einen selbstbestimmten, digitalen lifestyle und haben gleichzeitig noch das alte Schubladendenken verinnerlicht, dass man für alles ein Diplom, Zertifikat oder zumindest eine Genehmigung vom Ordnungsamt braucht.

    Ist man in seinem Job nur dann gut, wenn man eine Prüfung abgelegt hat? Oder dann, wenn man sich mit Begeisterung einem (oder sogar mehreren) Bereich(en) über einen längeren Zeitraum und das auch noch nachweislich erfolgreich widmet?

    Ich kannte Kai und auch stylespion vorher nicht. Und bei der Suche nach einem passenden Dienstleister habe ich mir gefühlte 500 Seiten in Köln angeguckt, die diese Leistungen anbieten. Drei Sachen haben mich total bei der Suche genervt:
    1. die Refernezseiten haben mir nicht gefallen bzw. haben nicht zu meinem Bereich gepasst (ist natürlich doof. Aber wenn man sein letztes Geld für ne Seite zusammen krazt, will man sich auch nicht überraschen lassen, oder?)
    2. ich will nicht Beratung, Design und Programmierung von unterschiedlichen Leuten geliefert bekommen
    3. das BlaBla zur Suchmaschinenoptimierung hat mich verwirrt – wenn das alles messbare Prozesse sind, warum gibt es dazu immer lange Texte mit vielen Fachbegriffen und keine simplen Projektbeispiele?

    Mit Sicherheit gibt es sehr viele Anbieter in Köln, die mir ne tolle Seite erstellen können. Aber ich bin hier gelandet, sehe in Stylespion ein tolles Referenzprojekt und hab bei dem Kaffee heute Mittag festgestellt, dass Kai weiß wovon er spricht – weil er genau das, was er mir anbietet mit Begeisterung täglich lebt.

    Also ich hab keine Zweifel dran, dass die Seite gut wird. Aber leider immer noch die Fragezeichen, wie ich mein Portfolio sinnvoll darstelle (haha). Vielleicht einfach “Autodidakt mit Begeisterung” mit Link zu den Projekten? ;-)

    Mal sehen…

    Beste Grüße,
    ANNE

    @ Icepin: sag deiner Tante Erna einfach “ich arbeite im Büro” – das hat bei meiner Oma echt gut gekappt. Ich hab ihr jahrelang versucht zu erklären was ich mache und seit ich auf die Büro-Idee gekommen bin, hat sie endlich aufgehört zu fragen weil sie sich darunter was vorstellen kann.

  11. um Dich zu zitieren: (…) “Webdesign, Webentwicklung, Bloggen, SEO, Fotografieren, Schreiben und dann noch die jahrelange Erfahrung durch das Betreiben dieser Seite hier und der anderen Projekte.” (…)

    Also ich finde das macht Dich und Deine Fähigkeiten aus. Und die oben genannten ergänzen sich meiner Meinung nach perfekt. Machen Dein interessantes “Gesamtpaket” aus. Du kannst dadurch Projekte aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, beurteilen und teilweise bis ganz umsetzen. Das ist gut! Ist doch super, dass Du nicht nur an SEO denkst, sondern es Dir auch wichtig ist, dass z.B. eine Webseite zudem gestalterisch gut und passend umgesetzt sein soll. Und die Texte stimmen usw. Die Mischung machts und das sehen hoffentlich viele Kunden!
    Ich wünsche ein tolles Projekt

  12. Hallo Anne, so ist das, wenn man sich mit diesen Bloggern einlässt :) Sie verwurschteln alles zu einem Beitrag… Danke für die netten Worte, ich grinse ein bisschen. Zu dem Thema mit den Scheinen hatte ich vor längerem auch mal etwas geschrieben und das hat zu ner ordentlichen Diskussion geführt.

  13. @Anne: Das wird gleich ausprobiert – Erna ist ja versorgt, aber Onkel Willi oder Tante Siegrid [...] gibts ja auch noch ;)

  14. Ist doch wunderbar, so viele Interessen zu haben und auch noch damit Geld zu verdienen! Und so lange du mit Herz dabei bist, bleibst du authentisch – und das gefällt doch den ein oder anderen Menschen immer mal wieder ;-)

  15. bei dieser Ankündigung dachte ich du hättest dich mal als Fleischer und Friseur versucht. Ich denke das ist schon sehr geradlinig. Aber innovatives Bewerbungsschreiben ;)

  16. Das Ergebniss wollen wir aber sehen. Starthilfe in Sachen SEO durch Backlink bei Stylespion, das ist doch wohl das mindeste für eine gute Kundin. Und wir anderen Blogger sind immer so neugierig.

  17. Ich finde, Dein Wollknäule hat einen durchaus logischen Aufbau. Es weist eindeutig ein Ziel auf, was manch “geradliniger” Lebenslauf nicht unbedingt tut.

  18. Habe gerade den Beitrag gelesen und festgestellt: Ja, mir gehts ähnlich. Ich verwende daher die Berufsbezeichnung “Auftragsagent” :)

  19. Nicht nur die Tiefe des Sortiments ist entscheidet, nein auch die Breite, so kannst Du Dich von der breiten Masse abheben.