William Fitzsimmons @ Berghain Berlin

william fitzsimmons berghain

Und dann kommt er irgendwann grimmig auf die Bühne, spricht kein Wort, stimmt die Gitarre, fängt wortlos an zu spielen. Bis dahin dürfte er alle Erwartungen erfüllt haben, die diejenigen hatten, die ihn noch nicht auf der Bühne gesehen haben. Einfach ein sonderbarer Typ mit überdimensioniertem Bart und wundervollen leisen Songs. Und dann kam das, was ich mich damals doch recht überrascht hat. Herr Fitzsimmons ist kein trauriger Mann. Er könnte auch ohne einen einzigen Song und ohne Gitarre auf der Bühne stehen. Er hat Humor! Und so bestand auch heute das Programm gefühlt aus 50 Prozent Songs, und 50 Prozent Unterhaltung. Er spricht Deutsch, er hatte seinen Spaß mit dem Dschungel Camp, er mag es offensichtlich, da oben zu stehen. William hat einige Songs des kommenden Albums gespielt, das, wenn man ganz genau hinhört, etwas weniger traurig als die Vorgänger ist, aber sonst, nunja, keine Überraschungen aufweist. Und so ertappte ich mich dabei, dass ich mich vor allem auf das Ende der Songs gefreut habe, der Zeitpunkt, an dem mich William unterhalten würde. Verträumt ins Nichts starren ist nicht so mein Ding. Aber was soll man bei einem William Fitzsimmons Konzert sonst machen?

Auf dem Rückweg spielten dann am Kotti zwei Menschen Musik. Tolle Musik. Sie haben mich heute etwas mehr umgehauen, doch dafür kann William nichts.

12 Kommentare (closed)

  1. Das er kein trauriger Mensch ist, hat mich als ich ihn im Sommer in Wien live sah auch etwas überrascht. Vor allem spielte er in Wien in sehr kleinem Rahmen, irgendwann stieg er mit seiner Band von der Bühne runter und spielte einen Song mitten im Publikum, das einen Kreis um ihn gebildet hatte. Wunderbare Musik. Schade, dass er noch kein Konzert in Wien angekündet hat.

  2. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die traurige Musik machen eher selten auch “traurige” Menschen sind. Das mag ein kleiner, sehr subjektiver Ausschnitt der Realität sein aber vielleicht wirken die Songs als Ventil für Traurigkeit. Und dann nach dem Song ist sie irgendwo anders da draußen und innendrin ist Platz für viel Lebenslust und Humor.

  3. Moinsen…

    Den. Künstler kenn ich leider nicht und die Kapelle am Kotti erst recht nicht. Mich umtreibt eine ganz andere Frage: Ist bei. Konzerten das strickte Fotografierverbot im Berghain aufgehoben?

    Die Bildware ist im übrigen , wie eigtl. immer, exzellent.

    Grüße aus deiner Lieblingsstadt

    Daniel

  4. Ohne seine kleinen Entertainment-Einwürfe wären seine Konzerte zwar auch genial, aber so ists besser. Was gestern gefehlt hat, ist seine Band. Wenn er begleitetet wird, macht es noch viel mehr Spaß, ihm zuzuhören.

  5. Kai, ein wenig neidisch bin ich ja schon, dass Du da jetzt in meiner Heimat… nein, ich bin sogar verdammt neidisch! Einen ganzen Monat! In einem Mietapartment in der großen bösen Stadt, während ich hier im grauen Hamburg sitze und mir – ach egal. Genieß es (tust Du eh) und schreib ordentlich viel, ist interessant zu lesen, wie ein Nicht-Berliner Berlin wahrnimmt.
    gustav

    PS: Wo ist dein Apartment?

  6. Ich hab ihn im TV gesehen und fand ihn jetzt nicht so prickelnd! Eher langweilig, aber das ist zum Glück Geschmackssache! Die Fotos sind aber wieder hammer!

  7. einfach unglaublich gute musik. ohne schickschnack. pur und eindringlich. das bild oben gefällt mir. mich würde das original aber fast noch mehr interessieren ;) danke

  8. Wollte auch hin, aber das Konzert war ja leider relativ schnell ausverkauft. Hattest du Glück an der Abendkasse oder warst du einfach nur Frühbucher?

  9. Die Geschichte des Entertainments ist voll von Beispielen, die zeigen, dass traurige Menschen viel Humor haben können. Das schließt sich doch in keinster Weise aus.

  10. Ich hab William letzten Herbst in Portland gesehen und muss zugeben das ich maechtig entaeuscht war. Ich hatte ihn auf seiner ersten Deutschland Tour gesehen und das war ein unterschied wie Tag und Nacht.
    Ich hoffe er hatte nur einen schlechten Tag.

  11. Ach kiek’ mal an. Immer mehr Digitalmenschen lassen im Nachhinein wissen, dass sie vor Ort waren.

  12. Und meine Frau wies mich eben drauf hin, dass Du direkt vor uns gestanden hast.